Gier als Menschenrecht

Ich beginne gleich mit der Antwort: Nein, es existiert nicht. So oft man die Charta der universellen Menschenrechte auch hin und her übersetzt und durchliest: das Menschenrecht auf Gier steht nicht drin.
Wie kommt der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte dazu ein Urteil in der Frage der Entschädigung von Aktionären in Russland zu fällen?
Weil das Recht auf einen fairen Prozess ein universelles Menschenrecht ist. Könnte zur Begründung angeführt werden. Und die Haare an denen dieses Recht herbeigezogen wird würden schmerzen.
Die Rechtslage für Menschen in Notsituationen und/oder Bedrohung wurde durch
den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte 2015 nachhaltig verschlechtert. Grund dafür ist die Annahme einer Klage von Aktionären, die sich ungerecht enteignet fühlen. Aktionäre (so fern sie überhaupt als Menschen und nicht als Banken, Versicherungen oder Fonds existieren) sind durch eine Enteignung nicht bedroht oder in einer existenziellen Notsituation. Sie fühlen sich in der Regel auch nach einer Entschädigung immer noch ungerecht behandelt, denn sie hatten auf jeden Fall grössere Gewinne erwartet. Sonst hätten sie die Aktien nicht gekauft.
Wer Russland in der Zeit des freien Währungsverfalls auf 2.000.000.000 Euro Entschädigungszahlung an Aktionäre verpflichtet, macht sich als Menschengerichtshof ethisch unglaubwürdig. Und wer sich ethisch unglaubwürdig macht, dessen Urteile werden in Frage gestellt. So geschehen durch das Urteil des (ethisch ebenso fragwürdigen) Russichen Verfassungsgerichts in St.Petersburg im Juli 2015. Während die Aktionäre weltweit weiter jammern und nichts geschieht, ist durch die Entscheidung des Verfassungsgerichts in St. Petersburg eine Rechtslücke entstanden, die Menschen in eine schlechtere Situation bringt als vorher. Entführung, Folter, Mord sind Verbrechen vor denen sie weniger gut geschützt sind.
Wieso hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte diese Verantwortung auf sich geladen? Um sich als Variante zum Schiedsgericht à la ISDS anzudienen? Um sich bei Aktionären beliebt zu machen? Um die Rechte und Pflichten von Menschen zu verwischen und sie mit denen von Staaten, Organisation, Unternehmen gleich zu setzen (wie beim absurden Vergleich von Staatsschulden mit den 5 Euro, die mir meine Nachbarin schuldet)? Wäre letzteres der Fall, dann wäre der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte auf dem Weg eine kriminelle Vereinigung zu werden. Aber wer kann uns eine Antwort auf diese komplexen Fragen gehen? Ein Gerichtshof?

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