Schulmädchen werden deportiert.

Posted in Miettext on 29. Januar 2021 by Nikkolo Feuermacher

Deportation ist ein hartes Bild, das ungute Vergleiche hervorruft. Auch den Menschen, die die damalige Regierung in den späten 1930er Jahren aus Österreich deportiert hat wurde erzählt: „Ihr kommt an den Ort der für Euch passt, der für Euch bestimmt ist.

Es stimmt natürlich, dass die drei Mädchen Mina, Muna und Mona (Namen von der Redaktion geändert) vom 28. Jänner 2021 nicht physisch getötet wurden. Aber Deportation bedeutet selbstverständlich den sozialen Tod. Sie sind aus ihrem sozialen Umfeld genauso draussen als wären sie gestorben. Auch wenn die digitalen Bande, die Chatrooms, und Wisch-Plattformen eine virtuelle Weiterexistenz anbieten, brauchen Mona, Mina und Muna dafür im Land günstigen Internetzugang, funktionierende Netzwerke, Elektrogeräte, Strom, Geld und so weiter. Abgesehen davon sind die drei gründlich traumatisiert.

Der Grund für die dramatische Aktion am Donnerstag ist offensichtlich: der national gesonnenen Regierung unter der harten Hand des Kanzlers, sind die national gesonnenen Anhänger abtrünnig geworden. Auf dem Kiss-In in Wien vom 16. Jänner 2021 hatten Menschen gerufen „Heimatschutz statt Atemschutz!“ (sic!). Die drei Schülerinnen sind das Bauernopfer um diese wieder zu gewinnen.

Der aktuelle Innenminister will, wie sein Vorgänger Herr „Gesetzliche-Ein-Euro-Fünfzig-Stundenlohn-Obergrenze“, gerne als Hardliner in die Medien und schlägt dazu auf Wehrlose ein.

Bleibt die Frage:

Warum hat der Innenminister keine jungen Burschen oder junge Männer zum Abschieben gefunden? Sind es denn nur Schulmädchen, die er nicht im Land haben möchte? Sind die Burschen nicht am Ende die „gefährlicheren“ – wenn man der Logik des Innenministeriums folgt?

Der Grund warum Mädchen aus der Schule geholt und deportiert werden liegt auf der Hand: das gleiche würden patriarchale, traditionelle, rückwärtsgewandte Migranten nämlich auch gerne tun: Mädchen von der Schule fernhalten. Wenn junge Männer gequält werden löst das sehr wahrscheinlich Identifikation und Solidarität anderer junger Männer aus. Denkbar wären Gewaltausbrüche, wie sie in Frankreich üblich geworden sind: brennende Autos, Strassenschlachten, Steinwürfe auf PolizeibeamtInnen. Aggression wäre dazu im Jänner 2021 ausreichend vorhanden.

Wer aber Mädchen aus der Schule holt kann sich sicher sein, dass niemand aus Solidarität mit ihnen gewalttätig wird. Auch hier waren Kanzler und Innenminister gut beraten.

Mina, Muna und Mona sind in Österreich nicht wahlberechtigt und wären es wohl auch in den nächsten Jahren nicht geworden, wenn man sie nicht deportiert hätte. Fragt sich: Was die Wahlberechtigten in Österreich von dieser Geschichte halten und ob sie überhaupt so etwas wie ein Gedächtnis haben?

DIE Lösung

Posted in Miettext on 1. Dezember 2020 by Nikkolo Feuermacher

Beim letzten Stammtisch der Wirtschaftskammer gab es an vielen Tischen feuchte Augen. Nichts neues einerseits, denn Wirtschaft ist ein stark emotional besetztes Feld. Andererseits wurden berechtigte Sorgen ausgesprochen:

„Während der Covid-19-Krise wird viel Geld ausgegeben. Einige Bereiche der Wirtschaft (Reisen, Handel u.v.a.) erzielen 2020 allerdings geringere Gewinne als ohne die Krise, manche machen grössere Verluste, die sich nirgends gegenrechnen lassen.“

„Könnte es der Wirtschaft besser gehen, könnte es allen besser gehen.“


Bild: Nikkolo Feuermacher erläutert die Neun-Tage-Woche 2020

Neue Forschungen aus Ostasien zeigen einen Weg aus der Misere, eine Lösung, die sich auch in Österreich leicht umsetzen lassen würde: Es handelt sich um die Neun-Tage-Woche. Neun Tage, das sind zwei Tage mehr als die herkömmliche Woche hatte und vier Tage mehr als bei einer Fünf-Tage-Woche. Durch Einführung der Neun-Tage-Woche könnten z.B. Hotels zwei Übernachtungen mehr pro Woche verkaufen, Restaurants bis zu sechs Mahlzeiten pro Person mehr anbieten als in einer Woche alten Typs, Geschäfte könnten zwei Tage länger geöffnet sein, Arbeitskräfte können innerhalb einer Woche zwei Tage mehr Leistungen erbringen.

Wie können zwei Tage mehr in der Woche untergebracht werden? Dazu gibt es seit 50 Jahren erfolgreiche Versuche mit Hühnern in Legebatterien: Das künstliche Licht wird in einem kürzeren Rhythmus an- und abgedreht. Dadurch legen die Hühner öfter.

Auf Grund weitgehender Digitalisierung der Konsum- und Arbeitswelt, könnte heute der einzelne Tag auch für Menschen zentral verkürzt werden. Nicht davon betroffen ist natürlich die Normalarbeitszeit (seit 1.9.2018 in Österreich 12 Stunden). Der Umgang mit der Sommerzeit innerhalb der EU zeigt, das bei einer Umstellung auf die Neun-Tage-Woche mit keinen Widerständen zu rechnen ist. Die Mehrheit der EU Bevölkerung hat zum Beispiel bereits 2018 bei einer EU-weiten Online-Abstimmung gegen das Umstellen der Uhren gestimmt. Diese Umstellung macht ökonomisch keinen Sinn. Die Sommerzeit wird trotzdem aufrecht erhalten und niemand verfolgt ihre Abschaffung. Auch das spricht für die zeitnahe Einführung der Neun-Tage-Woche.

41.000 Vorzugsstimmen

Posted in Miettext with tags , on 14. Juli 2019 by Nikkolo Feuermacher

Stolz

41.000 Vorzugsstimmen
um einen Mann gezielt ins Europaparlament zu wählen – wo er „eigentlich“ gar nicht hinwollte.

41.000 ÖsterreicherINNEN zeigen in einem transparenten, demokratischen Prozess, dass sie sich für einen Mann begeistern. Einen Mann, der wenige Tage vor der Wahl frisch nachgewiesen hat bestechlich, skrupellos und frei jeder Moral zu sein. Einen Mann, der demokratische Prozesse für sich nutzt um damit demokratische Prozesse zu verhindern (z.B. Verhinderung des Wahlrechts für EuropäerINNEN in Wien).

Einen Mann, der für sich als Vizekanzler ein „Fairnessministerium“ bastelte, fussend auf dem Prinzip „fair ist was MIR nutzt„. „Erbschaftssteuer ist unfair.“
Der Mann mit den Vorzugsstimmen wird nicht der erste österreichische Politiker im europäischen Parlament sein, der sich Oligarchen und Konzerninteressen anbietet. In Brüssel wird viel Geld umgeschlagen um europaweit Einfluss auf Gesetze und Regelungen zu nehmen. Die Nachfrage nach käuflichen Abgeordneten ist ungebrochen. Der Mann, der eigentlich nicht nach Brüssel wollte, hat sich durch sein Ibiza-Video (das sicherlich weltweit gesehen wurde) als Fachmann qualifiziert und ausgewiesen. Wohin hätte er nach seinem Rücktritt in Österreich auch gehen können? Wo würde so einer gebraucht?

Majestätsbeleidigung

Posted in Miettext with tags , on 22. Mai 2019 by Nikkolo Feuermacher

Es sind nicht Löwen beim Paarungsakt, Ameisen beim Transport von Nahrungsmitteln, oder Eingeborene beim Regentanz, die aktuell im Film zu beobachten sind, sondern Politiker beim Politik machen.
Jemand hat auf ihr Habitat eine Kamera mit Mikrofon gerichtet und sie sind tatsächlich gekommen und haben sich gezeigt. So wie sie sind, so wie man sie gerne einmal sehen möchte: ohne Verkleidung, ohne einstudierte Texte.
Die beiden Politiker im Film erklären deutlich und mit verständlichen Worten wie sie Politik machen und erfolgreich sein möchten. Und da der Film schon etwas älter ist erklärt er – im Nachhinein – wie die beiden erfolgreich geworden sind. Denn sie hatten einen riesigen Erfolg. Es wurden tatsächlich Spendengelder eingesammelt, es wurde tatsächlich ein Wahlkampf geführt, tatsächlich hat eine parteinahe Person die Mehrheit an einer österreichischen Zeitung gekauft und dort Personal gewechselt, tatsächlich sind beide in Entscheidungspositionen gewählt worden.
Nichts ist gelogen – endlich einmal – denn die Akteure wussten ja gar nicht, dass ihnen ein Publikum zuschaut. Wahrscheinlich waren sie so offen und eindeutig wie selten – vor Kamera.
Wenn nach der Ausstrahlung ihres Filmes Löwen, Ameisen oder Eingeborene sich auf das Recht auf ihr Privatleben berufen und sich ärgern würden, wäre das verständlich.
Warum einige Politiker und aufgeschreckte Personen in der Dokumentation und Ausstrahlung von praktizierter Politik „ein Attentat“, „eine strafbare Handlung“ oder schlimmeres sehen, ist dagegen schwer verständlich. Politik zu gestalten ist kein privater Geschlechtsakt, sondern etwas, das viele Menschen direkt betrifft und angeht. Menschen, die in einem demokratischen Land leben haben ein Recht darauf zu erfahren wie und warum Politiker (die an der Macht sind und auf die Interessen ihrer Landesbevölkerung eingeschworen sind) welche Entscheidungen treffen – oder nicht treffen.
Wieso wird die Bevölkerung ununterbrochen mit Videokameras im öffentlichen Raum beobachtet, warum werden ihre E-Mails und Telefonate systematisch gespeichert, wenn diejenigen, die das politisch durchsetzen selbst nie gefilmt und beobachtet werden dürften?
Wenn der aktuelle Dokumentarfilm nicht gedreht worden wäre, wüssten wir weniger – und das wäre undemokratisch. Investigativer Journalismus ist wichtiger Teil der Demokratie: Menschen hinter die Kulissen blicken zu lassen, zu zeigen was dahinter steckt. Und gut gemacht ist dieser Dokumentarfilm – er hat kaum Längen.
Das einzige Verbrechen, das den Filmern vorgeworfen werden könnte wäre „Majestätsbeleidigung„. Aber so ein Delikt gibt es in einer Demokratie nicht. Diejenigen, die von der Politik ihrer Partei und ihren Hintergründen ablenken möchten brauchen ein Verbrechen, das grösser ist als das Verbrechen bei dem die Politiker gefilmt wurden.
Leider zu spät (- oder zu früh -) : Wir leben in einer Demokratie und die Macht geht von den Bürgern aus. Eine Majestät, die beleidigt werden könnte, gibt es nicht.

Bonnieren

Posted in Miettext with tags , , , on 16. November 2018 by Nikkolo Feuermacher

bonnierender junger Mensch

Tut mir wirklich leid aber ich kanns nicht bonnieren.

„Oops, das kann ich nicht bonnieren. Sorry!“
ist genau der Satz, der auf den Punkt bringt wo bei uns die Grenze läuft.

Einen Platz in der Stadt besetzen, nachts aufbleiben, im Freien übernachten und viel reden – lässt sich gerade noch bonnieren – so lange alle brav nach Hause gehen wenn der Bürgermeister sagt: „Ab ins Bett Kinder.  – Ihr wisst ja: unsere Polizei kann auch anders – habt ihr doch im Fernsehn schon gesehen wie das aussieht.

Neue Ideen haben, Sachen anders machen – lässt sich bonnieren – so lange Du Dir dafür einen Schreibtisch in einem Grossraumbüro mietest und Dir von der Bank erst mal Geld leihst.

Freche Reden schwingen, Fragen stellen, Worte sagen die nicht so gern gehört werden, Kritisieren – lässt sich bonnieren – so lange Du Dir das bezahlen lässt und dann wenn’s kein Geld mehr gibt beleidigt schweigst.

Der Spass hört dann auf, wenn sich das nicht mehr bonnieren lässt. Wenn in der Software die Variante nicht programmiert ist, die Du gerade machen möchtest.
Wer gut geübt ist im Computerspielen weiss: wenn sich das nicht bonnieren lässt muss ich wo anders den Weg suchen, den die Programmierer für mich vorgesehen haben. Sonst komme ich nicht auf das nächste Level oder verliere meine Credits. Das wichtigste: was ich mache, was ich will, was mich freut – wird bonniert.
Was für einen Sinn soll das alles sonst haben?

Und wer hat dieses Programm eigentlich geschrieben? – Moment das lässt sich nicht bonnieren. Sorry – ich mach Schluss mit dem Text.

mig-ration

Posted in Miettext with tags on 7. November 2018 by Nikkolo Feuermacher

i am from ostrichDass Menschen sich bewegen ist natürlich. Seitdem es sie gibt bewegen sie sich über die Erde. Ohne Migration würde es keine Vereinigten Staaten von Amerika geben, keines der Länder in Südamerika und sicherlich auch keinen Staat der sich Ostrich nennen kann.

Wieso wird etwas so alltägliches wie die Bewegung von Menschen zum Thema?
Weil es irgend etwas braucht um von den Themen abzulenken, die uns direkt vor Augen stehen und die unser Leben wirklich beeinträchtigen: Hier wird nicht gerecht geteilt ! ?

Aber bleiben wir bei der Migration. Menschen verlassen das Land in dem sie vorher waren. Dazu müssen wir nicht einmal unbedingt über das Mittelmeer. Zum Beispiel Ungarn: die Demokratie ist weitgehend abgebaut, wer nicht in Perspektivlosigkeit und Depression zurückbleiben möchte verlässt das Land. Wer durch Wien geht, wer in Basel am Bahnhof aussteigt – und anderswo – hört sie sprechen, die UngarINNen die ihr Land verlassen haben. Sie sind nicht auf Urlaub, sie arbeiten.

Sie kommen in Länder, die NICHTS in ihre Ausbildung investiert haben und die SOFORT an ihnen verdienen: über ihre Arbeit, ihre Steuern, ihr nachbarschaftliches und gesellschaftliches Engagement, über ihr Einkaufen, ihre Mieten, ihre Ideen, ihren Humor und ihre Energie.

Warum sind die Vereinigten Staaten von Amerika nach dem zweiten Weltkrieg technisch, kulturell (Filme, Pop-Musik, Fernsehen), intellektuell (neue Therapieformen, wissenschaftliche Forschung), menschlich (UNO-Sitz) so erfolgreich? Weil alle frei denkenden KünstlerINNEN, Intellektuelle, kreative VordenkerINNEN, … das Europa unter der Vorherrschaft der Faschisten verlassen haben und dorthin migriert sind. Wer gescheit genug war (und ein Glück hatte) ging in die USA. Selbst die Folter- und Waffen-Spitzentechniker sind nach dem zweiten Weltkrieg in die USA migriert.

Wer ist in Europa übrig geblieben nach Krieg, Faschismus und Flucht? Wer ein wenig anders war und nicht weglaufen konnte wurde im Reich umgebracht (Kommunisten, Sozialisten, Sozialdemokraten, Sinti, Roma, Gehörlose, EpileptikerINNEN, Zeugen Jehovas, Christen, Juden, …). Um im Reich zu überleben war es wichtig angepasst, opportunistisch, gedankenlos, mitlaufend zu sein; und voller Hass auf andere Menschen.
WENN es so etwas gäbe wie eine kulturelle Tradition, wenn sich Menschen nicht ständig verändern könnten und dauernd die Richtung wechseln, DANN wäre ein friedliches Leben in Europa nach zwei Weltkriegen unmöglich, ja undenkbar. Wer sollte auf so eine fremde Idee kommen?
Das einzige was Europa helfen könnte wäre eine massive Einwanderung von Menschen, die nicht Nachkommen von Faschisten sind. Wenn jetzt viele sagen: „ABER MEINE Eltern und Grosseltern waren ja eigentlich im Widerstand und haben trotzdem irgendwie überlebt.“ Dann demonstriert das perfekt wie gut das Lügen im Faschismus eingeübt wurde. Lügen als alles entscheidende Überlebensstrategie im Reich.

Wer möchte in einem Land leben um das ein Zaun gebaut wird? Wer möchte mit LügnerINNEn und übrig gebliebenen, gewaltbereiten FaschistINNen in einem Gehege eingesperrt sein? Niemand. Verlassen deshalb so viele Menschen Ungarn? Sind deshalb so viele Menschen aus südamerikanischen Ländern in die USA unterwegs? Werden Menschen nicht in demokratische Länder gesaugt, sondern gedrückt?

Aber EHRLICH geschrieben: es gibt keine kulturelle Tradition, es gibt keine Nationen (ausser in unserer ungesunden Fantasie) und Menschen gehen nicht nur ununterbrochen auf der Erde herum, sondern sie ändern auch ununterbrochen ihre Meinung, Werte und ihr Selbstverständnis.

Wer von uns hat sich den Ort seiner/ihrer Geburt ausgesucht?
Wer von uns hat entschieden welche Sprache sie/er zuerst lernt?
Wer von uns hat gewählt ob er/sie in eine arme oder reiche Familie geboren wird?
Wer von uns hat entschieden ob sie/er Frau oder Mann sein wird – zumindest bei der Geburt?
Wer hat sich die Hautfarbe zur Geburt ausgewählt?
Wer hat sich ausgesucht wie er/sie heisst?
Natürlich niemand.
Denn wir waren ja alle nur Kinder.

Um gesund zu bleiben oder zu werden, brauchen wir eine gute Mischung. Eine gute Mischung von Nahrung, die wir zu uns nehmen. Eine gute Mischung von Eindrücken und Meinungen, von unterschiedlichen Bewegungen, von Licht und Schatten, von Farben und Tönen.
Was geschieht wenn eine Menschengruppe über lange Zeit exklusiv untereinander heiratet hat der europäische Adel brilliant vorgeführt. Es ist auf jeden Fall ungesund.
Und da muss ich in diesem Text die Richtung ändern und mir selbst widersprechen: Migration ist ein wichtiges Thema und wird es immer sein. Es ist wichtig, dass wir für die gute Mischung und für die offene, lebendige, gesunde Bewegung sorgen.

doppelköpfiger ostrich

Doppelköpfiger Ostrich

Herein mit den Fremden. Wer keineN FremdeN in seiner Nachbarschaft, seiner Familie, seinem Haus, seinem Arbeitsplatz, … hat – kann nicht mitreden und sollte aufmerksam schweigen bis die gute Mischung auch sie/ihn erreicht hat.

Reiter gegen Rechts

Posted in Miettext on 21. Oktober 2018 by Nikkolo Feuermacher

Die Donnerstagsdemos in Wien sollen wieder zurück sein.

Reiter gegen Rechts

Die FreundINNen der Pferde lassen sich den Missbrauch der Vierbeiner für politische Propaganda nicht länger gefallen. Wer sich den „Reitern gegen Rechts“ auf der nächsten Demo in Wien anschliessen möchte: sie reiten immer donnerstags hinter dem Block der „Omas gegen Rechts

Wer zahlt die Security?

Posted in Miettext with tags , on 9. September 2018 by Nikkolo Feuermacher

Alle Bildrechte bei Nikkolo Feuermacher 2018Überschätze, überforderte, undemokratische Männer als Obmänner in Vereinen und Interessensvertretungen in Österreich – wer kennt sie nicht ?
Am 8.9.18 in Wien war ein besonders grosser von ihnen am Werk: Um die ausserordentliche Mitgliederversammlung „seines“ Vereins zu verhindern, heuerte er (auf Kosten der Vereinsmitglieder) eine kleine Miliz (Security-Service) an, die die Mitglieder am Betreten des Versammlungslokals hinderte. Erst die Polizei konnte den Mann und seine bewaffneten Begleiter für kurze Zeit auf die Seite nehmen. Während der Versammlung erpresste er über die Androhung der Vernichtung des gesamten Vereins (Herbeiführung der sofortigen Insolvenz) seinen Verbleib als Obmann.

Was können wir aus dem Ereignis lernen?

1. Mitgliederadressen müssen an verschiedenen Stellen des Vereins zugänglich sein, damit Machthaber die Kommunikation zu den Mitgliedern (und unter den Mitgliedern) nicht völlig blockieren können. (Das steht im Widerspruch zu dem was häufig als Datenschutz verstanden wird.)

2. Vereinsfunktionen und Funktionen in angeschlossenen Betrieben sind unbedingt getrennt zu halten. Sie zu häufen ist extrem ungesund für ALLE Betroffenen. Weil jemand Vereinsvorstand ist DISqualifiziert ihn das als Geschäftsführer, Stiftungsrat, u.ä.. MEHR Menschen müssen Verantwortung und damit Macht übernehmen.

3. Rechtsanwälte in Österreich entwickeln (nach meiner Wahrnehmung) in der Regel juristische Untergangsszenarien, die „alternativlos“ den Mächtigen zum Vorteil gereichen. D.h. wenn die Ebene gerichtlicher Drohungen und Gegendrohungen erreicht ist, sind die meisten Karten bereits verspielt.

4. Viele Menschen können durch ihre gemeinsame körperliche Präsenz an einem Ort etwas bewirken.

Schützen und Menschen

Posted in Miettext with tags on 2. Juli 2018 by Nikkolo Feuermacher

Ein Europa das schützt“ textete dem politischen Gipfeltreffen die NLP geschulte Werbeagentur.
Ist Schützen eigentlich das, was ein Schütze macht?
Scheinbar, denn die EU-Ratspräsidentschaft von Österreich macht schon zu ihrem Beginn den Menschen in Belgien, Bayern und Budapest Mut, die gerne mehr Schützen an den Grenzen hätten. Bewaffnete Schützen, natürlich mit Schutzwesten.
Faschismus ist die Antwort auf Fragen, die man sich nicht stellen will.“ hat eine andere Werbeagentur getextet.
Die Frage, die sich in Europa heute offensichtlich niemand stellen will ist folgende: „Sind die Menschenrechte universell?“ Universell bedeutet in diesem Fall: jede Person hat sie immer und überall.
Wenn die Menschenrechte universell sind. kann ich nicht Flüchtlingen temporär ihre Menschenrechte wegnehmen bis ich sie durch ein Sieb geschüttelt habe (wie eng oder weit auch immer die Maschen dieses Siebes wären).
In deren ihrem Land gibt es ja auch keine Menschenrechte, warum sollen die dann bei uns Menschrechte haben?“ ist NICHT die Frage, die nicht gestellt wird, sondern kompletter Unsinn, der die Beschränktheit seiner Werbeagentur verdeutlicht.
Das letzte mal, als jemand Wien (die Stadt in Österreich ist gemeint) von einer sozialen in eine zentralistisch und undemokratisch geführte Gemeinschaft geführt hat, wurde diese Person nicht von den Linken, den Gewerkschaften oder den Gutmenschen gestürzt, sondern von einem Faschisten erschossen.
Wer anfängt Menschenrechte zu relativieren und darüber diskutiert wer mehr und wer weniger Lebensberechtigung hat, wird immer von rechts überholt werden (auch wenn das eigentlich nicht erlaubt ist).
Wer von rechts überholt ist nämlich überzeugt davon, dass es Menschen mit mehr und welche mit weniger Lebensberechtigung gibt, und dass der, der überholen kann die MEISTEN Rechte hat. Es ist höchste Zeit die Frage nach der Universalität der Menschenrechte mit JA zu beantworten und sich dann mit den wunderbaren Fragen zu beschäftigen, die die sich daraus ergeben. Das wäre auf jeden Fall eine Entwicklung bei der weniger Schützen weniger Menschen erschiessen – in Europa.

Airbags einsparen

Posted in Miettext with tags on 29. Juni 2018 by Nikkolo Feuermacher

Regierung schafft Airbags ab

noch mit Airbag

Da ist noch Luft drin, das können wir noch Flexibilisieren.“ so der offizielle Regierungs-Sprecher.

Wir sehen da ein Potential und unbedingt Möglichkeiten für unsere Wirtschaft, die sicherlich allen zu gute kommen: mehr Platz auf den Autobahnen, Profite und Arbeitsplätze im medizinischen Bereich – um nur drei zu nennen.“ das Statement des Fairness-Ministeriums.

Als elegante Fortführung der aktuellen Neuerungen: 12 Stunden-Tag, 60 Stunden-Woche, Moscheenverbot, Klassentrennung, Journalistenmaulkorb, Einsparungen im sozialen Bereich, Schlechterstellung von Inländern, Aberkennung universeller Menschenrechte, Einführung von Wirtschaftsgerichten, Pöbeleien im Nationalrat … erfolgt das Airbag-Verbot auf Autobahnen nur konsequent.

„Hauptsache es geht den Menschen schlechter.“
„Das wird auch in Bayern diskutiert.“
sind die spontanen Kommentare aus den Clubs.

Für eine detaillierte Erläuterung der Massnahme warten wir noch auf einen Rückruf aus dem Kanzleramt.

Regierung nutz Entwicklungspotentiale auf den Autobahnen

Entwicklungspotential nutzen

Grillmaster gegen Rechts

Posted in Miettext with tags , on 5. März 2018 by Nikkolo Feuermacher

Grillmaster gegen Rechts, alle Bildrechte bei Nikkolo Feuermacher 2018Protokoll der Gründungsversammlung der „Grillmaster gegen Rechts“ am 7. März 2018

Peter*, Paul, Steffl und der Bert sitzen im Nebenzimmer eines Kaffeehauses am Stubenring.

Peter: Jetzt samer schon a viertel Stund über der Zeit, pack mers an.
Paul: Cum Tempore. Die Akademiker ham ihr Chancen ghabt.
Steffl: Da Ernstl und da Sigi komman af jeden Foi no. Moment – da Sigi schreibt mir grad afs Telefon, dass sei Oide ihn noch länger braucht. Mir solln ihm halt ausrichten was woa. Er warad af jeden Foi dabei – schreibter.
Peter: Ihr habts doch bestimmt alle scho von die Omas gegen Rechts ghört. I habs euch eh im meim Mailing gschriebn: Mia Opas miasaten a was geng Rechts tuan.
Paul: Moment, moment mit denen Opa – ich hob goa kane Kinda, da kanni oiso ka Opa …
Peter: Di Omas gegen Rechts ham ganz gloa a net ole zwingand Kinda oda Enkl vo da eigenen Genbrut, des warat ois wemma des Mutterkraiz vorleng miasat, …
Bertl: Es is nix verkehrts dron, wemma Kinda hot.
Peter: Natirli. Oba Hauptsach: Mia engagiern uns politisch. Di Omas hamscho ongfangan, …
Bertl: Ma muas ned ois doa was d’Oma duat …
Peter: Lass mi redn Oida!
Paul: Mia miassadn a Politisches Engagement zeign – in Zeiten wie diesen. Es san Lait am Pouvoir, die mi an di Zeit vo meine Opa derinnern. Des fallt uns aufn Schedl. Mir sand hait do um a Initiative geng Rechts zu starten. No samma klein an Zoi, oba mia wern täglich mehr Besorgte, Belogne, Betrogne.
Bertl: Politisch passt. Oba hammia uns verstandn das des geng Rechts sai muas? Du redsd grad vo deim Opa – da meinige hat mer derzöhlt: ba der Hitlerjugend woas ned so verkehrt – di Lagerfaier warn urlaiwand.
Peter: Bert, hoit de Bapn oda schlaich di.
Bert schweigt.
Paul: Di unserige Initiative soi so fui Lait zamabringan wias na geht. Wann des a boa mea san wia bade Omas warads ned vakehrt.
Steffl: Da Ernstl schreibt ma, dasser vo seina Frau a rote Haubm gstrickt kriagt hod un liaba mit ihra zammen af di Demos gäht. Sei Frau hat eam gsagt: wanna si hoibwegs gut rasiert, fallta unta de Omas eh ned auf. Den sengma nimma.
Paul: Menna hoids zamman – mia gründen edzd di UNSERIGE Initiative. Hoid ohne eam. Mia sand immano fimpfe – midm Sigi. I schlog vua: Opas …
Bertl: I hau mi übad Stieng.
Peter: Schlog wos bessas vua.
Bertl: Autofahrer – vo miaus gegen Rechts. Da fühln se viele ogsprochn und na machens mid.
Paul: Autofahrer is ma zu Wischiwaschi.
Steffl: Da Sigi sogt Heimwerker gegen Rechts warad urlaiwand. Des gspiert se richtig on, da sand urvüle angsprochen und dabei. Und mia zeign ganz kloa: Heimwerker sand kane Dodeln, oba urpraktisch, engagiert, politisch, a Bewegung.
Peter: I sogat Grillmaster gegen Rechts?
Bertl: Da warad I glai dabei, des erinnat mi an Faia und es is urgmiatli.
Steffl: I muas üba de Foida, af mi woad nu wer. Grillmaster gegen Rechts passd – is edza suppa Arbeitstitel.
Paul: Urguad kannimia des vorstön: olle Grillmaster gegen Rechts mitam erhobenen roten Grillhandschuh af der Demo. Des haut uns fire. Da bleibt de Omas di Bapn offn.
Peter: Guat, i schreib denen Omas schonamoi, dass mera was machn. Ned dasd glaubn mir Opas waradn senil.
Bertl: Opas gegen Rechts warad blos a Kopie gwesn – a grindige – da hättemi scheniert. Grillmaster gegen Rechts hot wos aigenes, i sehmia scho voam geistigen Auge den unsrigen Block formiern af der Demo.
Peter: I schreib nu des Protokoi und schicks aich zuawe.
Paul: Mir is a Grafiker bekannt, der weat uns wos mochn.
Steffl ist schon gegangen.
Bertl: Habe die Ehre.

*Alle Namen geändert, Übereinstimmungen mit lebenden Personen sind rein zufällig.

Heimwerker gegen Rechts, alle Bildrechte bei Nikkolo Feuermacher 2018Autofahrer gegen Rechts, alle Bildrechte bei Nikkolo Feuermacher 2018

Wir schaffen Feudalismus

Posted in Miettext with tags , , on 20. Februar 2018 by Nikkolo Feuermacher

imperiale lebensweise wird in wien 2018 wieder gross geschrieben.

Was ist Feudalismus? Eine Gesellschaftsordnung in der Menschen nach ihrer Geburt (Wer ist der Vater? ist die alles entscheidende Frage.) eingeordnet werden: in reiche und arme, arbeitende und nicht arbeitende, Geld ausgebende und bettelnde. Sie wirkt auf den ersten Blick stabil und erprobt. Allerdings zeigt uns die Geschichte, dass Kompetenz, gute Ideen, Innovation, Kreativität, Menschlichkeit usw. nicht gut auf so einem Nährboden wachsen.
Beispiel: Auf einem Tisch liegen zwölf Kekse, am Tisch sitzen drei Personen. Im Feudalismus nimmt sich eine Person neun Kekse und sagt zu seinem Nachbarn: „Pass auf, dass Dir der andere nicht Deinen zweiten Keks wegnimmt.“ Von der einen Ungerechtigkeit wird durch eine andere abgelenkt. UND: derjenige der sich neun Kekse nimmt, bekommt deshalb (weil er das aus seinem Recht auf neun Kekse ableitet) besseren Zugang zu Schulen und Ausbildungsstellen, zahlt weniger für seinen Wohnraum, bekommt günstigere Kredite, bessere Krankenversorgung, zahlt weniger Steuern, erhält kostenlos mehr öffentlichen Raum zur Verfügung und redet bei Entscheidungen lauter mit. Wenn jemand zu ihm sagt: „Es ist ungerecht, dass Du neun Kekse bekommst und ich nur einen.“ Antwortet er im freundlichsten Fall: „Dann setze ich mich zu anderen zwei Leuten an den Tisch, die mir elf gönnen und sich jeweils um ihren halben Keks streiten.“ Leider geht das als Antwort durch.
Das ist Feudalismus. Dass wir in einer solchen Gesellschaftsform leben, damit müssen alle einverstanden sein. Und scheinbar sind sie das, denn auf demokratischem Weg wurden genau die Parteien gewählt, die es der Person mit den neun Keksen recht machen.

Wer hier einwendet: „Aber das beschriebene ist doch nicht Österreich, wir leben doch in einer Leistungsgesellschaft, wo nach Leistung bezahlt wird und nicht nach Geburt.“ sollte ein wenig nachdenken. Sicherlich ist es richtig, dass ständig Wettbewerbe stattfinden: um den ersten Platz an der Supermarktkassa, um die Pool-Position an der Ampel usw. Aber Leistung wirkt sich nicht darauf aus ob man bequem lebt oder unbequem. Zum Beispiel bekommt ein Anlageberater bei einer Bank viel Geld bezahlt – ob er nun schlecht oder gut berät spielt keine Rolle. Dagegen bekommt eine Kinderbetreuerin wenig Geld bezahlt – egal ob sie viel Engagement bringt oder weniger. Leistung spielt wirklich keine Rolle.
Wer in eine Familie geboren ist, in der viel Besitz gesammelt wurde, wird viel Geld ausgeben können, egal ob er jemals eine Leistung erbringt. Wer in eine Familie geboren wurde in der kein Besitz gesammelt werden konnte, wird nicht viel Geld ausgeben können, egal wie er/sie sich anstrengt. Da gibt es sicherlich einen kleinen Spielraum, aber der ist nur Teil des Wettbewerb-Spiels um Druck zu erzeugen und das Nachdenken zu verhindern, aber er ist nicht wirklich verändernd. Es wird allen erzählt: „Du kannst reich werden!“, „Du bist eigentlich reich, denn Du hast etwas zu verlieren (an diejenigen, die nur einen halben Keks haben)!“ Aber die Leistungsgeschichte ist nachweislich eine Lüge (siehe Literaturliste* unten).
Beispiel: Wenn ich arbeite wird mein Verdienst mit 50% besteuert, wenn ich Handel treibe mit 20%, wenn ich Geld erbe mit 0%. Einnahmen aus Besitz wachsen in den letzten Jahrzehnten wieder schneller als Einnahmen aus Arbeit.*
Die österreichische Gesellschaft hat als Verabredung: dass sich die Menschen im Land über das Wählen von Parteien darüber einigen wie in der Gesellschaft Gerechtigkeit hergestellt wird. So schaffen es so viele Menschen gemeinsam an einem Ort zu leben, friedlich, vertrauensvoll und freundlich miteinander umzugehen.

Wie ist die Stimmung in einer Dreier-Gruppe in der eineR neun, eineR zwei und eineR einen Keks bekommt? Unfreundlich, unsolidarisch und zunehmend aggressiv. Eine Gesellschaft ist dann friedlich, wenn IN ihr Frieden herrscht und nicht dann wenn viel Polizei patroulliert, überall Kameras hängen und die Gefängnisse voll sind.
Ein Land wie die USA (aus mir unerklärlichen Gründen oft als Beispiel für ein gutes Land genannt, weshalb ich es hier überhaupt erwähne) hat Standards in der Keksverteilung, dem Umgang mit Menschenrechten, der Krankenversorgung, dem Bildungs- und Rechtssystem, dass es lange im Anwärterstatus warten müsste ehe ernsthaft darüber gesprochen würde ob es in die Europäische Union aufgenommen werden könnte. So niedrig sind die Standards dort. Wer Österreich mit den USA vergleicht, will auf jeden Fall die Standards in Österreich senken und die Kekse noch ungerechter verteilen.

Wer 2017 die Wahlplakate in Österreich gelesen hat wusste: es geh um die effektive Zunahme der Ungerechtigkeit in der Keksverteilung „jetzt oder nie“ und ein klares JA zum Feudalismus „Erbschaftssteuer ist unfair“.
Wenn es in Österreich feudaler wird: also wenige Menschen immer reicher werden ohne etwas dafür tun zu müssen – und viele Menschen immer ärmer ohne etwas dagegen tun zu können, dann wird es auch aggressiver. Die Gewalt wird zunehmen, die Aggression sich vergrössern (Hassprediger helfen dabei), mehr Menschen werden verletzt werden. Und die Gefahr verletzt zu werden nimmt für ALLE Menschen in der Gesellschaft zu. Aus dieser Gefahr kann man sich nicht freikaufen.

Feudaler Lebensstil oder Imperial Living sind für ALLE dumm und gefährlich. Also: bitte sofort ändern.

*Literaturliste (zum üÜberprüfen der Aussagen):

  • Handbuch Reichtum, Nikolaus Dimmel, Julia Hofmann, Martin Schenk, Martin Schürz (Hrsg.), Innsbruck 2017
  • Das Kapital im 21. Jahrhundert, Thomas Piketty, München 2014
  • Wie Reiche denken und lenken, Ueli Mäder, Ganga Jey Aratnam, Sarah Schillinger, Zürich 2010
  • Wir Erben, Julia Friedrichs, Berlin 2015

Diese Bücher gibt es kostengünstig auszuleihen in öffentlichen Bibliotheken.

kurz gedacht am 14. mai (muttertag) 2017

Posted in Miettext on 14. Mai 2017 by Nikkolo Feuermacher

vergangene woche haben in österreich zwei ähnliche ereignisse den weg in die fernsehnachrichten gefunden: ein mann nimmt einen taxifahrer als geisel und blockiert sechs stunden lang mit schusswaffe und sprengstoffdrohung die raiffeisenbank und den benachbarten kindergarten von erpfendorf. der andere mann nimmt eine volkspartei als geisel und blockiert jede inhaltliche politische entwicklung – vielleicht für jahre – mit einer ermächtigungsforderung.
beide männer lieben das gefühl von macht. beide sind im umgang mit anderen menschen nicht zimperlich. beide wählen statt der wertschätzung ihrer mitmenschen den moment völliger hybris: ICH diktiere die bedingungen, ICH sage was geht, ICH bin wichtig.
beide ereignisse sind lackmustests unserer gemeinschaft von menschen. offensichtlich wird hier nicht das ziel der friedvollen gemeinsamkeit gesucht, sondern das eines grossen ICH – im setzkasten neben anderen. beide männer bekommen eine grosse bühne und werden ernst genommen. warum eigentlich? aus langeweile? aus angst? weil sich niemand mit den nachhaltigen aktuellen problemen beschäftigen möchte?
wem nutzt diese situation? den zuschauerINNEn, die wieder einmal bestätigt bekommen: wer am lautesten ICH ICH ICH schreit, auf den schauen alle? wer stielt den schaulustigen dabei gerade das portemonaie aus der tasche? welche nachhaltigen entscheidungen standen vergangene woche an? wie sind die ausgegangen?
UND: in welcher erzählungs-schleife hängen hier die werbetexter? hauptsache hart, hauptsache einer der irgendwelche entscheidungen herbeizwingt, hauptsache ein ende der freundlichkeiten? mit führern und kaisern sind doch schon weit mehr schlechte erfahrungen gesammelt worden als beispielsweise mit ngo’s?
menschen, die andere menschen verachten und gleichzeitig nach grösstmöglicher macht streben sind ein klassiker – der menscheitsgeschichte. was echt verwundern darf: dass nach so viel dokumentierter menschheitsgeschichte die anziehungskraft von „ich habe keine ahnung, aber ich will gern alles entscheiden“ – persönlichkeiten gross ist. sie werden zu klassensprechern, parteivorsitzenden, kanzlern und präsidenten oder auch nicht.

Gier als Menschenrecht

Posted in Miettext with tags on 8. März 2016 by Nikkolo Feuermacher

Ich beginne gleich mit der Antwort: Nein, es existiert nicht. So oft man die Charta der universellen Menschenrechte auch hin und her übersetzt und durchliest: das Menschenrecht auf Gier steht nicht drin.
Wie kommt der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte dazu ein Urteil in der Frage der Entschädigung von Aktionären in Russland zu fällen?
Weil das Recht auf einen fairen Prozess ein universelles Menschenrecht ist. Könnte zur Begründung angeführt werden. Und die Haare an denen dieses Recht herbeigezogen wird würden schmerzen.
Die Rechtslage für Menschen in Notsituationen und/oder Bedrohung wurde durch
den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte 2015 nachhaltig verschlechtert. Grund dafür ist die Annahme einer Klage von Aktionären, die sich ungerecht enteignet fühlen. Aktionäre (so fern sie überhaupt als Menschen und nicht als Banken, Versicherungen oder Fonds existieren) sind durch eine Enteignung nicht bedroht oder in einer existenziellen Notsituation. Sie fühlen sich in der Regel auch nach einer Entschädigung immer noch ungerecht behandelt, denn sie hatten auf jeden Fall grössere Gewinne erwartet. Sonst hätten sie die Aktien nicht gekauft.
Wer Russland in der Zeit des freien Währungsverfalls auf 2.000.000.000 Euro Entschädigungszahlung an Aktionäre verpflichtet, macht sich als Menschengerichtshof ethisch unglaubwürdig. Und wer sich ethisch unglaubwürdig macht, dessen Urteile werden in Frage gestellt. So geschehen durch das Urteil des (ethisch ebenso fragwürdigen) Russichen Verfassungsgerichts in St.Petersburg im Juli 2015. Während die Aktionäre weltweit weiter jammern und nichts geschieht, ist durch die Entscheidung des Verfassungsgerichts in St. Petersburg eine Rechtslücke entstanden, die Menschen in eine schlechtere Situation bringt als vorher. Entführung, Folter, Mord sind Verbrechen vor denen sie weniger gut geschützt sind.
Wieso hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte diese Verantwortung auf sich geladen? Um sich als Variante zum Schiedsgericht à la ISDS anzudienen? Um sich bei Aktionären beliebt zu machen? Um die Rechte und Pflichten von Menschen zu verwischen und sie mit denen von Staaten, Organisation, Unternehmen gleich zu setzen (wie beim absurden Vergleich von Staatsschulden mit den 5 Euro, die mir meine Nachbarin schuldet)? Wäre letzteres der Fall, dann wäre der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte auf dem Weg eine kriminelle Vereinigung zu werden. Aber wer kann uns eine Antwort auf diese komplexen Fragen gehen? Ein Gerichtshof?

Das Mausoleum von Karl dem Grossen in Karlsruhe

Posted in Miettext with tags , on 2. Dezember 2015 by Nikkolo Feuermacher

Wer heute in Karlsruhe auf den Hauptbahnhof im Süden der Stadt zugeht, erhält ein schwaches Bild des Mausoleums, dem die Stadt ihren Namen verdankt. Die grosse, glänzende Fläche, die sich über den Köpfen der Menschen wölbt (nach Plänen August Stürzenackers), deutet auf einer reduzierten Fläche das Ausmass der Grabstätte Karls des Grossen an. Eine Erinnerungsstätte, ähnlich jener der politischer Grössen der Neuzeit wie Mao oder Lenin.

Karl (747 – 814 AD), später Karl der Erste, Charlemagne oder ab 1000 auch „der Grosse“ genannt, war eine politische Größe. In seiner Zeit und weit darüber hinaus Impuls und Vorbild. Durch sein politisches Geschick gelingt es ihm, weite Bereiche des heutigen Europa zu kontrollieren.
Mittels Kriegen versucht er, u.a. die Sachsen zum Christentum zu zwingen (772 – 804), was ihm die Anerkennung und Unterstützung der christlichen Kirche sichert. So krönt ihn Papst Leo der Dritte Weihnachten 800 zum ersten Kaiser seit der Antike.
Er beendet die Selbständigkeit Bayerns (788), und legt mit seinem Markensystem (seit 774) u.a. die Grundidee des Dubliner Übereinkommens der Europäischen Union (1997 ).
Ehe er 814 an einer Blinddarmentzündung stirbt (in manchen Quellen wird eine Vergiftung erwähnt), hat er bereits 786 den Grundstein seines Mausoleums Karls-Ruhe gelegt. Für sein Unternehmen stellt ihm Harun-ar-Raschid (Abbasiden / ‏العبّاسي‎ / al-‘Abbāsīyūn – Kalif, 786 – 809), bewährte Baumeister und Handwerker zur Vergügung, die beim Bau von Bagdad (ab 762) entsprechende Referenzen erworben haben.
Die letzten Jahrzehnte seiner Herrschaft widmet Karl dem Kampf um sein politisches und physisches Überleben in Gesellschaft aggressiver Thronfolger.
781 kann er dem Tod entgehen, indem er seinen Sohn Ludwig zum Mitkaiser ernennt. 792 scheitert Sohn Pippin mit einem Putsch-Versuch. 806 verfasst Karl ein Testament mit einem Reichsteilungsplan (Divisio Regnorum), um die andauernden Streitigkeiten durch ein schriftliches Machtwort zu befrieden.
Bereits in diesen Jahren spielt die Kontrolle seines Grabes eine Rolle im Ringen um Macht und Deutungshoheit.
Karls eigenmächtige Ernennung des Mitkaisers steht dem Interesse des Papstes (Stichwort: einzige Alleinvertretung auf Erden) konträr entgegen. Ebenso Karls Lebenswandel mit zahlreichen, öffentlichen Konkubinaten parallel zur christlich getrauten Ehe. Als er seinen homosexueller Sohn Karl den Jüngeren als Nachfolger vorschlägt, schliesst die Kirche dessen Thronfolge aus. Um die Stimmung zu verbessern, schenkt Karl dem Aachener Dom einen erbeuteten römischen Sarkophag (Proserpina-Sarkophag, 220 AD). Aus dieser symbolischen Geste leitet sich später die irrige Annahme her, Karl wäre im Dom beigesetzt.
Tatsächlich wird Karl 814 in seinem, nach 14-jähriger Bauzeit 810 fertig gestellten, Mausoleum Karls-Ruhe bestattet.
Die Geschichtsschreiber seiner Tage sind jedoch Mönche. Nur sie können schreiben und lesen. So bleibt die Wahrheit über Karls Mausoleum in den kirchlichen Annalen undokumentiert. Weitere Versuche, das Grab Karls nachträglich in den Dom, also unter die Kontrolle der Kirche zu bringen, sind belegt: Etwa die Heiligsprechung Karls 1165 durch Papst Paschalis den Dritten. Friedrich der Erste lässt dazu Gebeine aus der Pfalzkapelle in den Aachener Dom bringen.
1215 legt sein Großenkel Friedrich der Zweite diese Knochen in einen von ihm gestifteten Karlsschrein, um im Deutschen Thronstreit Fakten zu schaffen.

Karls Mausoleum Karls-Ruhe wurde auf der Fläche des heutigen Stadtgebiets des gleichnamigen Ortes erbaut und sollte, wie die Fläche Europas die er beherrschte und auch sein Kaisertum, gigantische Ausmasse haben. Der Ortsteil Karls-Knie-Liege „Knielingen“ ist ein Beleg für das Geschichtsbewusstsein der einheimischen Bevölkerung, in dem sich auch die Opposition zur Kirche ausdrückt. Der widerständige Karl bleibt den Anwohnern seines Mausoleums unvergessen.
1525 schliessen sich die Karlsruher Bauern den Aufständischen in den Bauerkriegen (1524-26) an. 1556 werden die Gebiete wieder christianisiert, diesmal protestantisch.

Ungezählte europäische Kaiser und Könige berufen sich auf Karls Nachfolge und als seine Erben.
1565 verlegt Markgraf Karl der Zweite von Pforzheim seine Residenz nahe an das Mausoleum, um damit die Nachfolge Karls herzuleiten. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg 1689 wird die Grabstätte jedoch weitgehend zerstört. 1715 will Karl Wilhelm von Durlach die Ruinen des Mausoleums und damit die Nachfolgerschaft Karls für sich in Anspruch nehmen. Sein ehrgeiziger Plan nutzt die Reste des Bauwerkes für eine barocke Planstadt. Von diesem Ort aus gelingt es Karl Wilhelms Erben, die Kontrolle über das Land Baden (bis 1945 selbständig) aufzubauen. Karls-Ruhe ist seit 1950 Bundesgerichtshof des Europäischen Mitgliedsstaates Deutschland.

Karls Mausoleum liegt für die Besuchenden des 21. Jahrhunderts weiterhin wie eine Vision über der Stadt, zwischen Knielingen und dem Hauptbahnhof.

Bezwinge das Grosse so lange es noch klein ist

Posted in Miettext with tags on 24. November 2015 by Nikkolo Feuermacher

Samstag Abend in Herxheim / Pfalz, also im Theatersaal von Chawwerusch. Gerade noch einen Platz ergattert für die Abendvorstellung von Braun werden. Die acht Leute hinter mir werden wieder nach Hause geschickt und auf einen anderen Tag vertröstet. Ausverkauft! Wie ist das möglich bei einem Thema vor dem sich jedeR drückt und gerne wegschaut? Ohne Chance auf Quote – wenn wir den Medien glauben.
Das von den jungen Schauspielenden der Expedition Chawwerusch [2] gewählte Plot von Michael Bauer hatte es auch theaterintern nicht leicht. Und doch entschied sich das Kollektiv gegen die scheinbaren finanziellen Zwänge, für das heisse Eisen, das keiner gerne in der Hand hat, geschweige denn in den Mund nimmt: Rechtsradikale in Deutschland.
Die Familie ist die Keimzelle des Faschismus. Dieser Satz trifft Heute genauso wie vor 85 Jahren. Ohne den Beitrag von Frauen gibt es keine gesellschaftliche Entwicklung. Vielleicht halten Männer ihre Glatzen hin, aber die Strippen an denen die Glatzen hängen ziehen traditionell Frauen. Das macht Regisseurin Esther Steinbrecher [1] nicht nur mit der Besetzung deutlich: zwei Frauen, ein Mann. Der inszenierte Tanz durch das Familienidyll zeigt es uns überdeutlich.
Humor als Werkzeug gegen die Humorlosigkeit der Hassprediger und Menschenmörder? Natürlich ist die rechte Szene nicht humorlos: da gibt es die Schadenfreude genauso wie die Herabwürdigung. Was aber einen echten Schmäh [Humor – 4] ausmacht sind Selbstironie und Rollenambiguität. Das ist Kultursache. Was einem IS oder einer AfD fehlt ist die Fähigkeit über sich selbst zu lachen, andere immer noch sympathisch und nah zu finden wenn man über sie lacht.
Uns kommt nur noch die Komödie bei. Unsere Welt hat ebenso zur Groteske geführt wie zur Atombombe,… Die Komödie ist eine Mausefalle, in die das Publikum immer wieder gerät … könnte nach Dürrenmatts Dramentheorie [5] gefolgert werden. Aber das Publikum fühlt sich nicht in der Mausefalle. Besonders der Schluss von Braun werden verdeutlicht das: Da klappt nichts zu und klemmt. Da bleibt kein Scharz-Weiss-Bild stehen. Wer die Welt in Gute und Böse aufgeteilt haben möchte, hat das Denken der Schmähstaaten [Humorlosen – 4] noch nicht verlassen.
Die Vielschichtigkeit des Stückes, mit seinen ungezählten versteckten Ostereiern aus der realen NSU-Tragödie der deutschen Ermittlungsbehörden von Heute, bleibt dem unwissenden Wiener [4] glücklicherweise zum Nachlesen erspart. Auch ohne Vorbereitung ist das Stück voll geniessbar. Bei aller Schwere des Themas bleibt es immer leicht und flott genug um es zu besuchen oder nach zu inszenieren [3]. Das Publikum hat recht.

Anmerkungen:
[1] Esther Steinbrecher ist Regisseurin und Autorin der kippenden Komödie.
[2] Stephan Wriecz und Miriam Grimm; Gast: Monika Kleebauer.
[3] Das Stück wurde für das Ensemble geschrieben, lässt sich aber auch in anderen Ländern unterhaltsam inszenieren. Das Skript liegt bei Chawwerusch.
[4] Nikkolo Feuermacher sendet aus Wien.
[5] Friedrich Dürrenmatt, Theaterproblem, Neuenburg / Schweiz, 1955

Freunde der Radioaktivität

Posted in Miettext with tags on 16. November 2015 by Nikkolo Feuermacher

15. November 2015, 11:00 Uhr im Wiener Konzerthaus. Der österreichische Bundespräsident hat das diplomatische Corps, Freunde und Bekannte eingeladen um der UNO zu gedenken [2]. Jener Organisation Vereinte Nationen, die seit Mitte des letzten Jahrhunderts Kriege verhindern soll. Es ist der Jahrestag des österreichischen UN-Beitritts von 1955. Gleich zu Beginn der Rede eine Schweigeminute für die jüngsten Opfer der Selbstmordanschläge in Paris vor wenigen Tagen. Das mit dem Kriege verhindern scheint immer noch nicht optimal zu funktionieren. Staatsakt am Sonntag Vormittag vor Konzert und Sonntagsbraten – ganz wienerisch. Zufällig hat der Dirigent auch noch Geburtstag und bekommt einen Blumenstrauss. Es ist gut geheizt. Musiziert wird im schwarzen Anzug.
Ban Ki-moon, Generalsekretär der UN, ist leider verhindert – und jetzt wirds interessant – ihn vertritt Yukiya Amano, Generaldirektor der Welt-Werbeagentur für Atomanlagen (IAEA, aktueller Werbespruch: Atoms for Peace and Development). Ein Mann, der die weltweite Verbreitung von Atomanlagen mit der Verbreitung von Frieden gleichsetzt. Er ist seit 2009 auf dem Posten (zwei Jahre VOR Fukushima) und sieht immer noch zu wie sich die Radioaktivität von dort aus weiter verbreitet [1].
Wir sind nicht auf einem Seniorentreffen, wo sich die alten Freunde mal wieder auf die Schultern klopfen und zurückblicken, sondern bei einem Staatsakt. Und was heisst das für die UN? Für die Verbreitung des Friedens?
Ohne die Zivilgesellschaft läuft NICHTS und die Zeit verrinnt!
Gespielt wird dann übrigens die neunte von Mahler.

Anmerkungen:
[1] Kanada und USA rechnen mit einer Zunahme der radioaktiven Belastung ihrer pazifischen Küsten bis mindestens 2016.
[2] Zahlende Gäste waren auch zugelassen.

Eine neue Qualität

Posted in Miettext with tags on 14. November 2015 by Nikkolo Feuermacher

radios_hWas am 9. November 2015 vor dem Radiokulturhaus in Wien erlebt werden konnte war eine neue Qualität auf verschiedenen Feldern:
Stell Dir eine Demo vor, bei der Du nicht nur auf dem Beton herumstehst, sondern tanzt.
Stell Dir eine Demo vor, bei die Leute am Mikrofon Schmäh führen und Dich nicht für ahnlungslose Passanten nehmen, denen die Welt erklärt werden muss.
Stell Dir eine Demo vor, bei der Du Dein Radio aufgedreht hast.
Eine neue Qualität.
Dass sich Menschen gegen die Zerstörung ihres liebsten Mediums einsetzen ist schon mal passiert. Dass öffentliche Radiosender zum liebsten Medium gehören ist eine neue Qualität.
Dass die bestellten Vertretern der Öffentlichkeit einen öffentlichen Sender zerstören wollen ist neu. (Was vielleicht daran liegt, dass die Vertreter nicht von der Öffentlichkeit gewählt werden sondern über Seilschaften? Da wäre eine neue Qualität nötig.)
Die Tageszeitungen in diesem Land wollen in erster und zweiter Linie Geschäftsbeziehungen anbahnen und irgendwie Umsatz generieren. Dass es einen Radiosender gibt, der das nicht tut, nehme ich als neue Qualität wahr. (Dass diese Qualität bezahlten Politikern so schmerzt, dass sie damit Schluss machen wollen und auf eine kontrollierte Gleichschaltung zielen, zeigt leider keine neue Qualität in der Politik.)
Dass die Standard-Begründung „das und das muss passieren um Geld zu sparen, wir haben keine Alternative“ in vorliegenden Fall von Ökonomen als völlig hirnrissig entlarvt wird, ist eine neue Qualität.
Demokratie ist nicht eine Verwaltungsform für die Bevölkerung – wie in der Schule gelehrt wird – sondern ein soziales Kunstwerk. Es ist DIE Lebensform, die das friedliche Zusammenleben ALLER Menschen in einem Land ermöglicht. Eine Demokratie braucht demokratische, die Demokratie liebende Medien. Wer freie Medien zerstört, zerstört die Demokratie. Das kann in Russland, Ungarn, Saudi-Arabien und vielen anderen Ländern gut beobachtet werden. Eine neue Qualität nach 1945 ist, dass österreichische Politiker die Demokratie nachhaltig schädigen wollen.
Demonstrationen sind wichtig für eine Demokratie. Die Demo am 9. November hatte eine neue Qualität in der Unterhaltung. (Was an den vielen kreativen Demonstrierenden lag?).
Weitere solcher Demonstrationen sind der Demokratie extrem förderlich. Kommt nächstes mal selbst und probiert es aus: Es kann fetzig sein Demokratie weiter zu bringen. Eine neue Qualität.
Aus diesem Anlass gibt es auf Nikkolo.Feuermacher.Wien ab jetzt eine neue Qualität: das Schlagwort [tag]: Demo.

Wie wählte Wien 2015?

Posted in Miettext with tags , on 21. Oktober 2015 by Nikkolo Feuermacher

Was ist eine Wahl?
Da die Macht von allen ausgeht und kein Mensch ohnmächtig sein soll, wurde in bestimmten Gegenden der Welt (zum Beispiel in Wien) beschlossen: alle paar Jahre jemanden auswählen, der die Macht für andere ausüben darf. So braucht sich nicht jedeR jeden Tag mit der Macht zu beschäftigen und selbst alle Entscheidungen treffen. Diese Teil-Abgabe der Macht erfolgt in Österreich durch die Wahl von RepräsentantINNen. Letztere müssen, um gewählt werden zu können, auf der Liste einer vorher angemeldeten Partei stehen. Wer oben auf der Liste steht bekommt eher die eingesammelte Macht als diejenigen, die weiter unten auf der Liste stehen. Es gibt einen Versammlungsraum mit einer bestimmten Anzahl von Stühlen und so viele RepräsentantINNen wie Stühle sind, können gewählt werden [2]. Die gewählten RepräsentantINNen setzen sich nach der Wahl zusammen und wählen ihrerseits repräsentativ eineN BürgermeisterIN für Wien. So ist die Pyramide aufgebaut [8]. Bei der Gemeinderatswahl in Wien werden Listen gewählt. Listen von Parteien. Auf der Liste, deren Name auf den Wahlzettel geschrieben ist, stehen untereinander die Menschen, die später im Versammlungsraum sitzen, und entscheiden: unter anderem wer BürgermeisterIN wird. Ein Bürgermeister-Amt stand am 11. Oktober 2015 nicht zur Wahl.

Was ist diese Wahl in den Medien? Ein hysterisches Spektakel.
Wer am sogenannten Wahlabend die Wahlsondersendungen sieht, kann den Eindruck gewinnen die Wahl wäre so etwas wie Silvester, es gäbe einen Count-Down, ein Ereignis, ein Wahl-Feuerwerk. Wie in einer Zirkusmanege ziehen immer wieder die selben Politik-Gesichter ihre Runden. Zwischen ihnen springt ein Chefredakteur herum, der das Wort erteilt und übereifrig die Fahne seiner Lieblingspartei schwenkt. Was beim Kreisen besprochen wird sind Spekulationen über Spekulationen (immer wieder Umfrage-Ergebnisse die – wen wundert’s? – nicht der Realität entsprechen). Das, was in Wirklichkeit geschieht, während die Sendung läuft, ist das Sortieren von Zetteln (im Fernsehen nicht zu sehen). Dieses Sortieren und Zählen bringt neun Tage später [1] das rechtlich verbindliche Ergebnis. Niemand in den Medien möchte sich mit der Realität der Wahl beschäftigen, es geht um Aufregung und Einschaltquoten.
Im Internet gibt es bei den Suchmaschinen unter Gemeinderatswahl Wien 2015 auf den ersten Plätzen nur Werbung einer bestimmten Partei, der Wahlkampf findet hier mit allen Mitteln ständig statt. Zwischen Information und Propaganda zu unterscheiden bedarf einer journalistischen Vorbildung.

Was ist die Wahl für die WählerINNEN? Scheinbar entmächtigend.
In Wien sind beim Meldeamt 1.500.000 Menschen gemeldet, alle über 16 Jahre alt und theoretisch in der Lage zu wählen. In einer monatelangen Werbekampagne, die so wirkt als würde man die Parteien kaufen können (und damit das Glück für das sie gerne stünden), versucht jede Partei sich als die beste zu präsentieren. Am 11. Oktober bleiben 750.000 [4] Menschen zu Hause und 750.000 wählen. Dazu gehen sie nicht in einen Laden und zahlen, sondern (zum Beispiel) in eine Schule, und machen geheim ein Kreuz auf einem Zettel [3]. Dieses 750.000 mal ausgeführte, geheime Kreuz ist der wirklich spannende Moment. Wie immer ist im entscheidenden Moment niemand dabei und die Bedeutung erschliesst sich einem selbst erst im Nachhinein – wenn überhaupt.

Was ist die Wahl für Wien?
Wenn die Welt einmal untergeht ziehe ich nach Wien, denn da passiert alles 20 Jahre später. (Treffendes Bonmot, das zwei Wienern [5] zugesprochen wird.) Während andere Städte der Welt nicht mehr in der Lage sind Bibliotheken aufrecht zu erhalten oder für das nackte Überleben ihrer BewohnerINNEN zu sorgen, verfügt Wien immer noch über Gemeindewohnungen, öffentliche Einrichtungen, städtische Betriebe und nicht kommerzialisierten öffentlichen Raum. Wer als Politiker in der Lage ist DAS zu Geld zu machen, kann sich daran leicht eine goldene Nasenscheidewand verdienen. Wie leicht das geht konnte bei der Privatisierungswelle nach den vorletzten Nationalratswahlen in Österreich gut beobachtet werden. Wen wundert da, dass die beiden erfolgreichsten Parteien, die bei den Wiener Wahlen 2015 die grössten Stimmengewinne verzeichnen, für Privatisierung stehen? Eine der Parteien hat das bei den o.g. Nationalratswahlen bewiesen und die andere sagt im Wahlkampf deutlich: Wenn es der Wirtschaft gut geht, geht es allen gut! – Das bedeutet übersetzt: Wir stehen für Privatisierung! Wer die letzten 50 Jahre aufgepasst hat weiss: Der Wirtschaft geht es dann gut wenn es allen schlecht geht [6]. Wien, als Stadt mit einem hohen Wohlfühlgrad, hat ein grosses Potential für Profite durch Privatisierungen zu Gunsten von Investoren. Für die EinwohnerINNEN bedeutet Privatisierung eine Verschlechterung ihrer Lebensumstände, aber darüber hat vor der Wahl niemand informiert.

Ein Wähler sagt im Interview, das am Wahlabend im Fernsehen gezeigt wird: Mal ausprobieren was passiert: wenn mal die Anderen gewinnen. Er hat den Hassprediger gewählt, behauptet er.
Mal ausprobieren wie es ist wenn Hass und Ausgrenzung Alltag werden?
Mein Vater war dabei und hat’s mir erzählt: in einem Gräzel voller Benachteiligter hat der Fleischhauer dem Garnverkäufer gegenüber auf der Gasse das Schaufenster eingeschlagen und seine Waren in den Dreck geworfen. Viele Menschen haben dabei zugeschaut und entweder Angst gehabt oder Hass, oder beides. Der Garnverkäufer hat kein Schweinefleisch gekauft und der Fleischhauer war in der SA. Der Pfarrer vom Gräzel meint: das geschieht dem Garnverkäufer recht, seine Ahnen haben unseren Herrn Jesus ans Kreuz geschlagen. Der Fleischhauer muss sich nicht länger mehr mit dem blöden Nachbarn ärgern, weil der verschwindet mit seiner ganzen Familie. Wenig später hassen alle Nachbarn die Nachbarn in den anderen Ländern, es gibt Unmengen unnötiger Tote, Leid und Zerstörung.

Die Partei des Hasspredigers repräsentiert nach der Wahl 240.000 Menschen. Vor der Wahl hat sie plakatiert Wir grenzen niemanden aus!. Noch in der Wahlnacht verkündet der Hassprediger: Wir werden unsere gewonnene Macht dazu verwenden 400.000 Menschen in dieser Stadt weiterhin das Recht auf Teilhabe an den Wahlen zu verweigern.
Eine Stadt, in der mehr als ein Viertel der Bevölkerung als Bürger zweiter Klasse behandelt wird, hat das Potential eine sehr unbequeme Stadt zu werden. 240.000 Menschen unterstützen den Hassprediger darin das Leben in der Stadt unangenehmer zu machen, 370.000 sind zu Hause geblieben, 400.000 [9] sind nicht gefragt worden, 510.000 wollen das nicht, zum Glück.

Was bedeutet die Wahl für die Demokratie?
Demokratie ist die friedlichste Art die Macht zu verwalten, die Menschen in einer Gemeinschaft haben. Demokratie kann auf unterschiedlichsten Ebenen und in verschiedensten Formen geübt und ausgeübt werden. Wie die Belebung des Zombies Labour Party im Vereinigten Königreich zeigt [7], kann Demokratie sogar den Weg in eine Partei hinein finden. Wenn man sie lässt.
Wenn jedoch niemand darüber informiert wird was eigentlich zu Wahl steht, und Wählenden weiss gemacht wird sie könnten bei einer Gemeinderatswahl den Bürgermeister wählen, kann Demokratie nicht gut funktionieren. Die Wähler werden für dumm verkauft. 20.000 haben einen ungültigen Wahlzettel abgegeben – nicht unbedingt weil sie zu dumm zum Ankreuzen sind.
Medien sind in der Regel nicht demokratisch organisiert, auf ihren konstruktiven Beitrag zur Demokratie ist offensichtlich kein Verlass.
Die Menschen, die bei der Wien-Wahl ihre Macht für die Weiterentwicklung der Stadt in eine menschliche, friedliche Zukunft delegiert haben, sind ebenso viele wie bei der letzten Wahl. Durch eine höhere Wahlbeteiligung ist ihre Wirkung auf die RepräsentantINNen reduziert. Es müsste in ihrem Interesse liegen die Demokratie zu stärken.

Die, die wissen was eine Wahl ist müssen es weitersagen.

Fussnoten:

[1] Das offizielle amtliche Endergebnis liegt am 20. Oktober vor, wenn der entsprechende Beschluss durch die Stadtwahlbehörde erfolgt. https://www.wien.gv.at/politik/wahlen/grbv/2015/
[2] Man kann das Ergebnis einer Wahl nicht dadurch verändern, dass einfach ein paar Stühle dazu gestellt werden, sonst hätte das längst jemand getan.
[3] Es gibt auch die Möglichkeit sich an der Wahl zu beteiligen indem der Zettel per Post geschickt wird.
[4] 400.000 Menschen ohne Wahlrecht [9] und 350.000 Menschen mit Wahlrecht, die dieses nicht ausüben wollen. 20.000 Menschen geben ungültige Stimmzettel ab. Quelle: https://www.wien.gv.at/politik/wahlen/grbv/2015/
[5] Gustav Mahler und Karl Kraus so weit ich weiss.
[6] Deutschland wächst derzeit viermal so stark wie Österreich: … Mit 2.319 € liegt der durchschnittliche Bruttomonatslohn in Ostdeutschland 25% unter jenem Österreichs, Titelseite Aussenwirtschaftsmagazin, Oktober 2015, Wien
[7] Mit Bart und Prinzipien – Der neue Labour-Chef Jeremy Corbyn bringt die Briten an den Rand der Hysterie, Alex Nunns, Le Monde Diplomatique, 8.10.2015, Berlin
[8] Wieso Macht in Österreich in Form einer Pyramide aufgebaut ist hat sicherlich mit dem Kaisertum zu tun.
[9] SOS Mitmensch: Fast 400.000 NachbarInnen dürfen in Wien nicht wählen. http://www.sosmitmensch.at

Was ist ISDS ?

Posted in Miettext with tags on 7. Oktober 2015 by Nikkolo Feuermacher

Was ist ISDS ?
ISDS ist DAS Kernstück von TTIP [Transatlantic Trade and Investment Partnership] aus der Perspektive der Investoren. Die Buchstaben stehen für Investor State Dispute Settlement. Auf Deutsch etwa: Schiedsgericht für Investoren gegen Staaten.

Kein Recht auf der Welt wird aktuell so geschützt wir die Rechte ausländischer Investoren.“ sagt Shalini Randeria, Sozialanthropologin, Rektorin des Wiener Instituts für die Wissenschaften vom Menschen, Professorin am Graduate Institute für Sozialanthropologie und Soziologie in Genf, am 30. September 2015 in der Alten Schmiede / Wien. Von ihr stammen die Zitate im Text.

Wie funktioniert ISDS?

ISDS funktioniert fast wie ein übliches Schiedsgericht in einem Verein: beide Streitparteien benennen eine Vertretung, die beiden Vertretenden suchen sich eine dritte Person und schlichten den Streit verbindlich.

Warum macht man das?
Weil man eine Verhandlung vor Gericht ausschließen, den Streit vor der Öffentlichkeit verbergen und ein schnelles Verfahren haben möchte.
Gerichtsverhandlungen sind in der Regel öffentlich, Verhandlungen und Urteilsbegründungen sind einsehbar. Richter bei Gericht sind im Recht ausgebildete, nachvollziehbar gewählte Personen. In der Regel erfolgt die Rechtsprechung auf verschiedenen Ebenen, d.h. Urteile können von einer höheren Instanz aufgehoben / verändert werden. Gerichtsverfahren können dauern und werden von einer Öffentlichkeit beobachtet.

ISDS ist ein Schiedsgericht?
ISDS ist kein normales Schiedsgericht. „ISDS wird NUR von ausländischen Investoren verwendet um gegen Staaten zu klagen.“ „Der Kreis aus dem die Vertreter für das ISDS gewählt werden ist klein und eingeschränkt: in der Regel weiße Männer; aus der Schweiz, den USA oder dem UK; mit einem Durchschnittsalter von 70 Jahren; eine juristische Ausbildung ist nicht vorgeschrieben.
Ein ISDS regelt NICHT Forderungen vom Staat gegenüber Investoren bzw. Unternehmen. Letztere können sich über Ausgründungen von Tochtergesellschaften und eine für sie vorteilhafte Wahl des Gerichtsortes weitgehend einer Verantwortung entziehen (Beispiele: Union Carbide in Indien oder aktuell EON in Deutschland). „Die Schäden, die durch ISDS verhandelt werden sind NICHT REAL eigetretene Schäden, sondern von den Unternehmen vermutete Umsatzeinbusen aus der Zukunft.“ Von allen Sitzungen, Verhandlungsunterlagen und Entscheidungen (!) wird die Öffentlichkeit in der Regel NICHT informiert. „Es wurden erst Jahre nach der bezahlten ISDS Millionenstrafe – auf Grund einer parlamentarischen Anfrage – Summe und Empfänger der Zahlung [Steuergelder] genannt. Urteilsbegründung und Verfahrensunterlagen wurden den Parlamentariern nicht vorgelegt.

Wieso kommt es zu einem ISDS?
RegierungsvertreterINNEN von Staaten unterschreiben bilaterale oder multilaterale Vereinbarungen [wie TTIP] in denen steht: Investoren können bei Bedarf gegen den Staat (also alle Steuerzahlenden [auch steuerzahlende Unternehmen sind betroffen] und Bewohner eines Landes) durch ISDS klagen. Die Investoren haben dadurch offensichtlich ihren Vorteil. Den Regierungen wird erzählt sie könnten NUR DADURCH Investitionen aus dem Ausland anlocken (TINA). „Das Beispiel Brasilien zeigt, dass ausländische Investoren auch investieren wenn kein ISDS vereinbart wurde.
Alles ist Verhandlungssache. Es gibt viel zu viel Geld auf der Erde, das Menschen vermehren möchten. Wer schlecht verhandelt wird über den Tisch gezogen.

Wie lange gilt die Vereinbarung ISDS statt Gerichte einzusetzen?
Unbegrenzt. Auch nach extremen politischen Regierungswechseln werden in der Regel die unter der ehemaligen Regierungen eingegangenen finanziellen Vereinbarungen übernommen (Siehe: Südafrika, Griechenland).

Was ist wenn der Staat nicht zahlt?
Am Beispiel Argentiniens (das durch ein ISDS Urteil zu einer Millionenzahlung verpflichtet wurde und nicht zahlt) lässt sich beobachten wie die Investoren politisch versuchen alle Kreditlinien des Landes zu zerstören.

Wie kann ich als Teil des Staates (SteuerzahlerIN / BewohnerIN) eine ISDS-Vereinbarung verhindern?
Indem ich auf die RegierungsvertreterINNEN meines Landes / Staates politisch einwirke um sie vom Unterschreiben abzuhalten.

Wer sind Investoren?
Investor ist eine Person oder ein Unternehmen, das Geld investiert – mit dem Ziel durch diese Investition noch mehr Geld einzunehmen. Investition ist ein Versuch Geld zu vermehren. Viele Sparende geben ihr Geld an Banken / Fonds / Versicherungen / Unternehmen, die dadurch potente Investoren werden. Wer von seinem Geld glaubt es könne sich selbst vermehren nimmt am Spiel der Investoren teil.

Gibt es ein konkretes Beispiel in Österreich?
(Die Regierung von) Österreich hat in der Vergangenheit in einem bilateralen Vertrag mit Malta (!) unterschrieben ISDS zu verwenden.

Wieso Malta?
Malta ist eine Steueroase in der viele Unternehmen / Investoren ihren Sitz angemeldet haben um sich Steuern zu sparen. Eine österreichische Privatbank, die zur Steuervermeidung ihren Sitz nach Malta verlegt hat, wird dadurch zum geschützten, ausländischen Investor.

Was passierte dann?
Österreichische Gerichte gingen gegen – ganz andere – Unregelmäßigkeiten im Zahlungsverkehr dieser Bank in Österreich vor. Die Bank wurde in Österreich per Gericht zu Schadensersatz-Zahlungen verurteilt. Durch die Öffentlichkeit beim Gerichtsprozess verschlechterte sich das Image der Privatbank.
Aktuell klagt diese Bank per ISDS als ausländischer Investor gegen Österreich. Die Verhandlungen haben geheim begonnen, das Urteil steht noch aus. Es geht um Millionen, die die Bank in der Zukunft verdienen hätte können – wenn es kein Gerichtsverfahren gegen die Bank gegeben hätte. Österreich (die Steuerzahlenden und die auf Steuergelder Angewiesenen) soll die Bank dafür entschädigen, dass ihr Image durch das Aufdecken ihres Geschäftsgebarens beschädigt wurde.

Alles kein Witz! Fantasiefrei!

Quellen:
Südwind Magazin Nr. 9, Wien, September 2015
Weltbefragung, Ilja Trojanow im Gespräch mit Shalini Randeria 30. September 2015, Wien

Sprechen und Musizieren

Posted in Miettext with tags on 7. Oktober 2015 by Nikkolo Feuermacher

Kennen Sie den?
Treffen sich drei Pälzer.
Und was kommt raus?
Weltunnergangsblues.

Blues ist keine Musikform sondern ein Universum. In diesem gibt es eine neue Formation:
Michael Bauer, Hans Reffert und Wolfgang Schuster (in alphabetischer Reihenfolge), die ihren Platz im Koordinatensystem suchen:
Missouri anno 1903 – ich will ein Bluessänger sei„?
1926er Talking Blues oder Sprechgesang in der Tradition eines Fred Schneider?
Nachkriegsgeneration 1945-plus, die sich lieber nach Amerika als nach Deutschland träumt?
Drei Blues-Männer, die ihren Jahrgang nicht nennen wollen wie ZZ Top?
Der ultimative Seelenentsafter, an ihm verzeifelt der Blueswissenschaftler.

Der Blues hat seine Ordnung (wie die Provinz und die Idylle) in erster Linie um zu bemerken wann sie verlassen wird. Und sie wird auf der CD immer wieder gerne verlassen – um wieder zurückzukehren. Michael Bauer nimmt respektlos liebevoll alle möglichen Wörter in den Mund. Hans Reffert und Wolfgang Schuster wechseln die Gitarren wie die Hemden. Wenn getanzt wird dann langsam um nicht aus dem Grübeln zu kommen.

Hinter jedem Männerblues steht eine Frau und so stehen auf dem Beipackzettel auch drei Frauen:
Elisabeth Schuster als Rhythmusmagd á la Meg White,
Tanja Strauch den Mund voller Gaulswürscht
und Monika Kleebauer als Textlektorin.
Um auch diese Ordnung zu brechen spielt Rainer Körber auf der Platte Didgeridoo.

Musiktheater für den Kopf. Wunderbar unordentlich.

Man kann sich mit ihnen freuen und gratulieren“ sagt meine Frau.

Wo nicht anders angegeben: alle Zitate Michael Bauer.
Text für die CD Weltunnergangsblues, 2015 bei musiker.de

Willkommen ihr Träumer

Posted in Miettext with tags on 17. September 2015 by Nikkolo Feuermacher

Willkommen ihr Träumer!
Ihr Träumer, die ihr nicht damit zufrieden seid wie ihr leben sollt, die ihr eine bessere Zukunft für euch, euere Kinder, Enkel und Freunde erträumt. Die ihr euer Leben aufs Spiel setzt für diesen Traum. Die ihr intelligent und geschickt Grenzen überwindet, immer wieder neue Wege findet, zu uns. Die ihr den Menschen hier die einfache und direkte Möglichkeit gebt sich als hilfreich, sinnvoll, helfend, unterstützend zu erleben. Die ihr den Traum ermöglicht: ich helfe Menschen, die wirklich in Not sind, und kann analog zusehen wie es ihnen besser geht. Sie werden satt und lächeln ohne dass ein Bildschirm dazwischen ist.

Willkommen ihr Träumer in Europa.
Ihr träumt von einem Europa, das es nicht gibt; und das bringt Euch ganz in die Nähe zu uns: wir haben bis jetzt auch von einem Europa geträumt, das es nicht gibt: ein Europa, das die universellen Menschenrechte ernst nimmt, dauerhaften Frieden zwischen Menschen schaffen möchte und sich dem säkularen Humanismus verpflichtet fühlt. Das Europa der Denker, Freiheitshelden und Träumer.

Willkommen ihr Träumer,
wir erwarten viel von Euch. Wenn ihr erst einmal mit uns sprechen könnt und das Spiel hier durchblickt (was Euch leichter fallen wird, denn ihr kommt ja von Aussen), erwarten wir eure Hilfe. Eure Hilfe beim Träume umsetzen. Wir haben es nur gerade eben so weit geschafft wie ihr seht. Von den Träumern aus der ehemaligen DDR hatten wir uns auch viel erwartet: eine sozialistische Perspektive wenigstens. Und die Träumer von damals haben nach dem Ankommen auch einiges bewegt*: den ersten weiblichen Kanzler der Bundesrepublik, eine landesweite Debatte über Kindergartenplätze, die provisorische Abschaffung der Wehrpflicht und eine Partei links der bisherigen linken Partei, die zu den Wahlen zugelassen ist.

Willkommen ihr Träumer,
ihr könnt uns und unserer Gesellschaft neue Impulse geben. Vielleicht gelingt es uns jetzt den Einfluss von Religion auf Gesetze und öffentliche Einrichtungen tatsächlich abzuschaffen? Vielleicht gelingt es uns anderen gemeinsamen Werte als der Profitmaximierung zu folgen? Bestimmt habt ihr eure eigenen Träume. Gerne würde ich euch gleich das aktive und passive Wahlrecht in Aussicht stellen, aber auf Grund des demokratischen Chaos in Europa habe ich als Europäer selbst gerade kein Wahlrecht in meinem Aufenthaltsland. Auch das könnten wir gemeinsam ändern. Als Migrant sage ich Willkommen ihr Migranten.

Willkommen ihr Träumer,
hier ist der Ort auf dem Globus wo sich heute die Träumer versammeln. Willkommen, die ihr kommen wollt. Kommet zu Hauf.

 

*Die nun folgende Bezüge sind aus der Perspektive der Bundesrepublik Deutschland (dem Zielort des Grossteils der aktuellen Flüchtlinge). Ich bitte die LeserIN die Bezüge zum eigenen Aufenthaltsort landesspezifisch selbst herzustellen und per Kommentar zu hinterlassen. Danke.

Ist ein besseres Leben erlaubt?

Posted in Miettext with tags on 13. September 2015 by Nikkolo Feuermacher

Einige Südamerikaner sind unglaublich anregend mit der Idee des buen vivir: das Ziel des Lebens, Ziel einer Gesellschaft wäre es: gut zu leben. Anstatt Geld, Gegenstände oder Macht zu sammeln. Gut zu leben statt zu überleben. Da können viele Menschen gut mitgehen. Fast könnte man meinen alle wären einverstanden.

Einige Menschen auf unserem Planeten leben noch nicht gut. Für die bedeutet das Ziel gut zu leben auf jeden Fall besser zu leben als sie jetzt leben.
Einige Menschen auf der Welt gehen zu Wahlen und versprechen sich mit der Abgabe ihrer Stimme dafür zu sorgen, dass es besser wird. Sie erwarten nach ihrer Wahl besser zu leben als vorher. Andere gehen nicht zur Wahl sondern rennen bewaffnet herum. Wahrscheinlich auch mit dem Ziel, dass sie irgendwann besser leben.

Jetzt sagt Viktor Orban [Regierungschef in Ungarn, 12.09.2015]: Es gibt kein Grundrecht auf ein besseres Leben.
Was will er uns sagen, mit dem, was er da laut in ein Mikrofon spricht?
Dass das ganze menschliche Streben nach einem besseren Leben illegal ist?
Dass er nicht dafür verantwortlich sein will, dass Menschen besser Leben, selbst wenn sie ihn gewählt haben?
Dass man vor einem Gericht (z.B. in Ungarn) nicht einklagen kann, dass man besser lebt als vorher?
In Ungarn leben einige Menschen viel besser als andere. Sollten diejenigen, die schlechter leben als die, die besser leben, kein Recht haben sich zu beschweren? Vielleicht ist das seine Aussage? Diejenigen, die in Ungarn besser leben, würden das sicherlich sofort unterschreiben und ihn zu dem Zwecke zu ihrem Vertreter wählen.

Aber er spricht die Worte nicht nur zu seinen WählerINNEn, sondern auch zu seinen NachbarINNEn, die ihn gar nicht gewählt haben oder wählen würden.
Was will er den NachbarINNEn sagen?
Hört auf von einem besseren Leben zu sprechen, sonst bringt ihr uns noch auf dumme Gedanken?
Schweigt mit eurem Gerde von einem besseren Leben?
Es sollte verboten sein sich dafür einzusetzen, dass man besser lebt?
Durch mein Land kommt kein Mensch, der besser Leben möchte?

Besser ist ein Wort, das zwingend einen Vergleich braucht. Menschenfreundlich ist es, sich mit sich selbst zu vergleichen: ich lebe Heute besser als Gestern. Aber das meint Herr Orban nicht. Er konkretisiert: Sie [diejenigen, die kein Recht auf ein besseres Leben haben sollen] wollen ein deutsches Leben, vielleicht ein schwedisches [statt der Lebensqualität in einem überfüllten Flüchtlingslager in Nahost]. Er setzt besser leben in Bezug zum Leben der NachbarINNEn. Die NachbarINNEn haben es besser als wir. Die gute alte Neid- und Gier-Karte wird gespielt [die hat nicht nur Herr Orban in der Tasche].

Wir tun kurz mal so als wäre ein deutsches Leben immer gleich viel besser – und vernachlässigen die Realitäten in Deutschland. In den letzten Monaten wurde auf politischer Ebene in Europa viel Aufwand betrieben: um ein griechisches Leben nicht besser werden zu lassen. Das weiss Herr Orban. Und das bedeutet: es gibt politische Möglichkeiten Leben besser oder schlechter zu machen. Wer kein Recht auf ein besseres Leben hat, hat also im Grunde kein Recht auf politische Wirksamkeit. Viele Politiker teilen diesen Wunsch: Niemand ausser mir selbst soll politisch wirksam sein! Aber wenn Menschen das Recht auf politische Wirksamkeit abgesprochen wird, wird aus einer Demokratie eine Diktatur. Und das heisst für die Mehrheit der Menschen schlechter leben. Und schlechter leben will noch nicht einmal Herr Orban, selbst wenn er dieses Ziel ganz leicht christlich unterfüttern könnte.

In der Kammer

Posted in Miettext with tags on 9. September 2015 by Nikkolo Feuermacher

„Ungarn ist die Kammer Europas“ sagt ein französischer Bekannter zu mir. Erst verstehe ich ihn nicht und sage mir: sein schlechtes Deutsch ist Schuld daran. Dann denke ich nach und finde, dass Ungarn auch von anderen häufig als Kammer bezeichnet wird: Schweinefleisch-Kammer für die Genossen, Rindfleisch-Kammer für den Kaiser, Getreide-Kammer für den Soviet. In einer Kammer werden Dinge aufgehoben, von denen man sich verspricht, dass sie einmal gebraucht werden. Vorräte zum Beispiel in der Vorrats-Kammer.
Ungarn ist eines der wenigen Länder Europas in denen Rangabzeichen, Uniformteile, Armbinden etc. aus dem Faschismus nicht illegal sind. Mann kann sich als „Deutscher im zweiten Weltkrieg“ verkleiden und mit anderen Verkleideten spazieren gehen, was auch regelmässig getan wird – in Ungarn. Ungarn ist also auch Kostümkammer für den Faschismus.
Mit etwas Nato-Stacheldraht drumherum wird Ungarn zur Kammer für asylsuchende Flüchtlinge. (Folter-Kammer will ich auf keinen Fall schreiben.)
Rechtlich betrachtet gehört eine Kammer immer jemandem anderen. Eine Kammer gehört nicht sich selbst und macht für sich selbst auch keinen Sinn. Wozu so viel Potential ungenutzt herumliegen lassen, wenn es für die eigene Entwicklung genutzt werden könnte?
Einige prominente Ungarn behaupten: das besondere an ihrer Kultur läge daran, dass Ungarn immer benutzt und benachteiligt worden wäre: vom König, vom Kaiser, vom Führer, von den Soviets, von der EU. Als Kammer missbraucht. Kulturen existieren in der Phantasie derer, die an sie glauben. Es gibt also Ungarn, die sich in einer Kammer leben sehen.
Ich sehe Ungarn ungern als Kammer, lieber als Ort an dem Menschen sich entwickeln.

Reklame Reklamation

Posted in Miettext on 12. Februar 2015 by Nikkolo Feuermacher

Die PRESSE hatte ihren Namen früher von einer Maschine, die mit Druck Farbe auf Papier gepresst hat. Heute hat sie ihen Namen von dem Druck, den das Geld auf die Schreiberlinge / RedakteurINNen / JournalistINNen / AutorINNen ausübt.
Als ich noch für eine Tageszeitung in einer Kleinstadt schrieb sagte man mir: „Hey Nikkolo, du musst aus deinem Text noch einmal zwei Zeilen rausstreichen, die Anzeige auf der Seite ist grösser geworden!“ Heute sagt mir das freundliche WordPRESS PopUp: „Wenn Du nicht zahlst, plazieren wir irgendwelche Anzeigen so in Deine Texte, dass jedeR denkt Du hättest etwas damit zu tun.“
Was ist besser geworden in meinem Leben? Meine Texte muss ich nicht mehr küzen! Mitzureden bei Anzeigen und Lay-Out hatte ich ohnehin nie.
Aber BITTE: Beachtet die Reklame nicht – so wie ihr sie auch früher nicht beachtet habt.

zwei Seereisen

Posted in Miettext on 12. Februar 2015 by Nikkolo Feuermacher

Zeitungsschnippsel vom 12. Februar 2015

Der Standard 12.02.15

Liest eigentlich noch jemand Zeitung? Gehen Zeitungsleser noch ins Kabarett? Sind Zeitungs-Lay-Outer Kabarettisten?
Auf dem Zeitungsschnippsel, der vor mit liegt geht es um zwei Seereisen mit dem Schiff. Eine von Europa in die Welt und eine von der Welt nach Europa. Zwei mal ist das Boot gesunken. In dem nicht bestraften Fall sind mindestens 10 mal so viele Menschen ums Leben gekommen. Bei dem Fall in dem mehr Menschen gestorben sind haben die Passagiere (marktbereinigt) mehr Geld bezahlt als die Menschen auf dem grösseren Boot.
Kann man aus solchen Kombinationen von Meldungen etwas kombinieren?
Dass die universellen Menchenrechte noch nicht richtig gültig sind?
Dass die Fahrtrichtung bei Unfällen rechtliche Konsequenzen hat?
Danke für weitere Tipps.
Empfohlene Lektüre: BILAL, Fabrizio Gatti, Milano 2007

Handwerk, liegend

Posted in Miettext on 12. Oktober 2014 by Nikkolo Feuermacher

Wozu Kurse in Handwerken anbieten?
Weil das Handwerk stirbt, längst keinen goldenen Boden mehr hat und der Meister nicht geehrt wird?
Ja! Denn das macht es jetzt möglich selbst-ermächtigende Handwerks-Kurse anzubieten.
Das von Menschen im Laufe vieler Generationen in Handwerken gesammelte Gewusst-Wie hat scheinbar keine wirtschaftliche Bedeutung mehr. Der 3D-Drucker übernimmt alles spielend. Kein Mensch muss mehr mit der Hand werken. Es reicht im Sitzen mit den Fingern auf Tastatur / Maus / Screen zu tippen. Grundkurs IT statt Werk-Unterricht.
Dieser Schöne-Neue-Welt-Traum ist sehr präsent und für das Handwerk bleibt scheinbar nur der Mittelaltermarkt, das Museumsdorf oder das Lexika der ausgestorbenen Berufe.
Mit dem Handwerk ist kein Geld mehr zu machen. Das bringt auch grosse Vorteile: Seine patriarchalen, hierarchischen Strukturen, seine Geheimniskrämerei, seine mafiösen Zünfte sterben. Das ist die gute Seite der Medaille.
Wer Handwerker ist und nicht nur um Geld, Ehre, Macht, Tradition trauert, kann beobachten, dass viele Meister ihr Gewusst-Wie mit ins Grab nehmen: einmalige Gestaltungs-Ideen, einfache Lösungen für komplexe Probleme, Möglichkeiten sich als Mensch mit zwei Händen eine Welt zu schaffen. Mancher Handwerksmeister wird auf dem Totenbett plötzlich milde und grosszügig, will mit erschlaffender Hand Erben herbeiwinken, ihnen sein Geheimnis zuflüstern.
Weil Handwerks-Künste von der Welt verschwinden, wenn es keine Menschen gibt die sie praktizieren, wird das Praktizieren plötzlich allen erlaubt. Wird das Handwerk demokratisiert? Schwindet seine feudale Struktur?
Da, wo kein Geld mehr damit zu verdienen ist: Ja!
Wo man weiterhin Geld verdienen kann: Nein!
Das Handwerk der Abtrittanbieter zum Beispiel stirbt nicht aus, die Damen und Herren nennen sich jetzt nur anders: PächterIN der Autobahntoilette.

Pfalzkönig

Posted in Uncategorized on 8. Mai 2014 by Nikkolo Feuermacher

Ich bin kein Pfälzer, verstehe aber die Sprache. Habe ich doch 2006 an einem Kulturaustausch teilgenommen. Zwischen der Pfalz und Kanto im Rahmen des Jahres Europa trifft Japan. Ich war Teil der Delegation aus Kanto und habe, wenn auch nicht mich, so doch mindestens meinen passiven Wortschatz bereichert.
Wenn ich 2014 Michael Bauers und Xaver Mayers Buch vom Pfalzkönig in die Hand nehme, denke ich nicht nur an den Kaiser von Japan. Die mich an Zen erinnernden Texte und die nach Wabi-Sabi schmeckenden Bilder geben mir das Gefühl: wir hätten nicht nur etwas nach Kanto mitgenommen, sondern auch in der Pfalz etwas dagelassen. Das hat nichts mit Völkerverständigung zu tun, sondern mit der Neugier von Menschen andere Geschmäcker zu probieren.
So, wie manche Leute besonders gut einer Fernsehshow folgen können, wenn mit hollÄNdische Akzent moderiert wird, oder andere glauben, lovesongs klängen nur auf Englisch gut, so glaube ich, dass sich das Pälzische von Herrn Bauer ideal dafür eignet: die wirklich wichtigen Momente des Lebens zu reflektieren.
Der hannoveraner Zungenschlag, der es über Rundfunk, Fernsehen und Lehrpläne geschafft hat, zum Hochdeutschen aufzusteigen, hat durch die gewonnene Höhe natürlich an Bodenhaftung verloren. Da ist das Pälzische näher dran – am Boden.
Wenn ich meiner Frau, die des Pälzischen nicht mächtig ist, abends einen kurzen Text aus dem Pfalzkönig vorlese und anschliessend zu übersetzen versuche, lacht sie manchmal Tränen.
Das heisst doch: die in dem Büchlein versteckten Lebenseindrücke weisen weit über die Pfalz hinaus. Lassen wir den Pfalzkönig nicht in der Pfalz, verbreiten wir ihn etwas über unseren Planeten. Das ist ein Geschmack, der auch Menschen ausserhalb der Pfalz gut mundet, ohrt und augt.

Baukräne am Himmel

Posted in Miettext on 24. Oktober 2013 by Nikkolo Feuermacher

Überall in Europa ragen Baukräne in den Himmel. Unter den Kränen Menschen die fremde Sprachen sprechen und in den Räumen die sie erstellen nicht wohnen oder arbeiten werden dürfen. Priester des zu viel verliehenen Geldes versuchen Gold herzustellen. Sie möchten Buchungszeilen in begrenzte Ressourcen umwandeln mit denen dann weitere positive Buchungszeilen und Abhängigkeiten erzeugt werden. Real begrenzte Ressourcen wie Land, Wasser, Bodenschätze, Lebensmittel, Luft sind zu knapp für die vielen Buchungszeilen. Die begrenzte Ressource Wohn- und Arbeitsraum verspricht mehr Entwicklung, denn sie kann mit Buchungszeilen hergestellt werden. Gäbe es die Marktwirtschaft real, so müsste der Immobilienblase ein Preisverfall von Wohn- und Arbeitsräumen folgen. Wohnen würde billiger, Bürofläche günstiger eine Werktstatt leistbarer. Entwicklungs- und Entfaltungsmöglichkeiten für Menschen würden entstehen und wären kulturelle und wirtschaftliche Faktoren. Das eine Entwicklung in diese Richtung völlig ausbleibt und vielmehr die Preise weiterhin steigen, Räume leerstehen und vernichtet werden um Preise hochzuhalten, zeigt wie mächtig die Profitinteressen und der Glaube unter der Immobilienblase sind. Der Markt ist auch hier ein Hirnschwammerl. Um mafiösen Profitinteressen entgegenzuwirken bedarf es politischer Diskussion und Entscheidungen, einer konsequent am Menschen interessierten Raum- und Städteplanung.
Städteplanung wird selten als kulturelles Phänomen betrachtet. Im Kern geht es dabei nicht um Fassaden, Dekors, Farben oder Baumaterialien, sondern um die Fragen:
Welches Leben fördert die Bebauungs-Kultur?
Hat die lokale Gesellschaft gemeinschaftlich nutzbare Flächen und Räume entwickelt?
Gibt es die Chance ohne ererbten Reichtum angemessene Räume zu nutzen (z.B. über angemessene Mieten) oder ist die Gesellschaft feudal: wer viel ererbt hat hat Raum, wer wenig besitzt ist abhängig?
Lebt die Bevölkerung in ererbtem Eigentum und in Schein-Eigentum, das über selbstständige Versklavung (Kreditaufnahme, Verschuldung) feudale Strukturen stabilisiert?

In Europa haben Raum- und Städteplanung in öffentlicher Hand viele Werkzeuge (vom Denkmalschutz über Feuerschutz zu Bebauungsplänen) um bestimmte Bebauung und Nutzung zuzulassen oder zu verhindern, zu fördern oder zu verunmöglichen. An den Schaltstellen dieser Macht sitzen selten humanistisch orientierte Künstler. Raum- und StädteplanerINNen werden nicht demokratisch gewählt, und sie überleben viele politische Veränderungen.
Ein guter Kaiser oder eine gute Kaiserin können vieles positiv bewegen. Wer nicht auf sie warten möchte, oder den Glauben an ihre Existenz verloren hat, dem bleibt die eigene Autonomie, die Selbstermächtigung. Sie ist zudem ein gutes Mittel gegen lebensfeindliche Überregulierung.
Eine Selbstermächtigung im Sinne einer demokratisch, humanistischer Bebauungs-Kultur stellt die EineWeltVilla dar. Sie zeigt auf Graswurzelniveau dass und wohin eine menschenwürdige Entwicklung möglich ist.

Neulich auf dem Künstler-Strich

Posted in Miettext on 16. August 2013 by Nikkolo Feuermacher

Während des vormittäglichen Geschirr-Waschens läuft das Radio:
Musik – Moderation – Musik – Moderatorin:
„… im Rahmen unserer Talente-Börse interviewen wir die Sängerin … “
Das Wort Talente-Börse fährt so ein, dass ich dem Interview nicht mehr folgen möchte.
Was machen denn die Talente da auf der Börse?
Was ist eine Talente-Börse?
Wer handelt da mit wem und was wird gehandelt?
Handeln ist wahrscheinlich ein irreführendes Wort. Handeln könnte ja auch mit aktiv tätig sein verwechselt werden. Aber was auf einer Börse passiert ist ja Kaufen und Verkaufen. Handeln kommt im Zusammenhang mit Börse vom: mit den Händen prüfen, herumreichen, Verkaufsabschluss per Handschlag.
Eine Talente-Börse erscheint vor meinem geistigen Auge wie eine Art Sklavenmarkt auf dem der Nachwuchs gezeigt, angetatscht und angepriesen wird.
„Bei dem jungen Mann ist noch Entwicklung drin. Aus der jungen Frau kann noch etwas werden, wenn …“
„Greifen Sie zu! Prüfen Sie! Alles frisch, unverbraucht und knackig! Da lohnt es sich etwas mitzunehmen!“ rufen die imaginierten Händler und Händlerinnen. Da gibt es sicher – wie anderswo auf den Kunst-, Musik-, Theater-Messen – zentrale grosse Stände mit den hochpreisigen Angeboten und am Rande den billigeren Ramsch oder das Nischenprodukt, das aus einer Nische am Markt heraus verkauft wird.
Hatte denn die Radio Redakteurin oder der Radioredakteur auch dieses Bild vor Augen als beschlossen wurde das Sendeformat Talente-Börse einzurichten? Oder war das der aus Überarbeitung geborene Automatismus? In einer Zeit wo sich niemand mehr wundert wieso eigentlich alles ein Markt sein soll. Wo sogar Länder auf Finanzmärkten gehandelt werden. Wo es quasi einen Strich gibt auf dem sich Länder für InvestorINNen herausputzen und anbieten. Börse / Messe / Markt – daraus besteht unsere Welt – und Schluss.
Wen wundert das?
Wer ist so weltfremd?
Was mich beim Geschirr-Waschen wahrscheinlich aus der Ruhe bringt ist die Tatsache, dass das mit Kunst in Verbindung gebracht wird. Kunst ist für mich immer mit dem Perspektivwechsel verknüpft, den KünstlerINNEN anbieten. KünstlerINNEN suchen Möglichkeiten mit denen die Welt anders gesehen werden kann – neu gesehen werden kann. Ihr Talent ist so gross wie ihre Fähigkeit dieses Angebot zu machen. Und da – in meiner Wahrnehmung von Kunst – bin ich unflexibel, konservativ, traditionell. Wie kann das gehen: dass Kunst (also Musik, Literatur, Film, Theater, bildende Kunst, Tanz, Fotografie, Zeichnung, …) auf einer Börse ist? Also auf dem langweiligsten Allgemeinplatz den man sich im Augenblick überhaupt vorstellen kann. Eine Sendung vom Künstler – Markt? Ich gähne und mache das Radio aus.

Liebeserklärung an die Menschheit

Posted in Miettext on 11. August 2013 by Nikkolo Feuermacher

Sie stehen an einer langen Schlange vor einem Postschalter und warten schon geraume Zeit. Auf dem Monitor über dem Verkaufsstand für DVDs in Ihrem Blickfeld sehen Sie ungewollt den siebten Durchlauf von Weltuntergangs-Szenarien. Wenn Ihnen jetzt jemand erzählen würde die Welt wäre überbevölkert – Sie würden es glauben. Tatsache ist jedoch: vor lauter Gier hat die Postfiliale lediglich nicht genügend Schalter-Personal eingestellt und auf der Welt ist noch ausreichend Platz.

So lange Unternehmen durch Atomkraftwerke, Bankgeschäfte, Fracking, das Verschütten von Erdöl, Kriege, … ungehindert Fläche auf diesem Planeten unbewohnbar machen dürfen, kann es noch nicht zu eng sein. Es gibt ausreichend Platz und ausreichend Ressourcen. Das Geschrei: Das Boot ist voll! kommt nicht auf weil die Ressourcen zu knapp wären, sondern weil sich Menschen mit lauten Stimmen weigern Ressourcen zu teilen oder zu entwickeln.

Der Dokumentarfilmer Werner Boote hat einen neuen Film gemacht, der ab September 2013 in die Kinos kommt: Population Boom. Ursprünglich wollte sich Boote mit dem Problem der Über-Bevölkerung beschäftigen, an das er selbst brav glaubte, und die Gründe dafür aufzeigen. Während der Dreharbeiten, beim Sammeln von Bildern für die Über-Bevölkerung, wurde jedoch offensichtlich: Der Regisseur war einem Märchen aufgesessen.
Da ein Märchen mit einer klaren politischen Stossrichtung wohl treffender als Lüge oder arglistige Täuschung bezeichnet wäre fragt sich: Warum wird die Lüge im vorliegenden Text nicht als solche benannt? Weil dann die UNO als Club von Lügnern diffamiert wäre? Und das ist nicht beabsichtigt! UNO und Weltbank sind eigentlich ganz gute Einrichtungen, sie sind nur von Unguten gekapert. Die Weltbevölkerung besteht aus wunderbaren, liebenswürdigen Menschen die miteinander auskommen und Spass haben können. Das zeigt der Film deutlich: Unsere echten Probleme liegen wo anders. Er ist gerade deshalb empfehlenswert.

Ende des Menschenopfers

Posted in Miettext on 14. Februar 2013 by Nikkolo Feuermacher

Rosenmontag 2013 gehen die Maskierten mit der Frage um: „Warum tritt der Papst zurück?“ Logischerweise kommen dabei Katholiken auf andere Mutmassungen als Nicht-Katholiken. Letztere sind von der Entscheidung auch nicht direkt betroffen. Sie sind lediglich Zuschauer, so wie etwa Europäer dankbare Zuschauer bei der Wahl des Amerikanischen Präsidenten sind. Sicherlich ist ein Ereignis innerhalb der Katholischen Kirche für egal wen ein willkommener Anlass, um all das zu äußern, was immer wieder gerne geäußert werden möchte.
Um das Phänomen „ein Papst tritt zurück“ zu verstehen, lohnt es sich jedoch besonders die Perspektive der Betroffenen einzunehmen, denn andere Sichtweisen wirken zwar durchaus phantasievoll aber doch etwas beliebig. Zur Erinnerung für Unwissende: Der Papst ist für Katholiken der Stellvertreter Gottes auf Erden, er ist unfehlbar und verkörpert die Stimme Gottes Heute. Wenn ein Papst spricht: „Ich gehe!“ so ist dies eine Aussage Gottes. Die Botschaft kommt direkt von Oben. Ein Papst kann in diesem Zusammenhang nicht demütig, berechnend, schlau oder schwach sein. Er hat keinerlei Spielraum, wenn Gott ihn aus dem Amt schickt.
Was sagt Gott seinen Katholiken mit seiner Entscheidung: den Papst weg zu schicken?
Das könnte die berechtigte, wenn nicht gar entscheidende Frage sein.
Wieso sind so viele Päpste vor dem aktuellen Papst im Amt gestorben?
Warum mussten sie, körperlich schon schwach und gebrechlich, noch bis zum Tode ausharren und Pflichten erfüllen, die sicherlich Ihre Belastbarkeit als Menschen überschritten?
Nachdem Gott offensichtlich einen Papst wegschicken kann, wären weitere Fragen:
Warum hat er die Päpste vorher im Amt sterben lassen?
Hat Gott seine Meinung geändert?
Hat er sie grundsätzlich geändert oder nur in diesem speziellen Fall?
Auf diese Fragen kann logischerweise nur der Papst eine gültig Antwort geben.
Mir scheint dabei, dass es – wie bei vielen Äusserungen in diesem Bereich – nicht um spezifische, individuelle oder gar historische Dimensionen geht, sondern um etwas grundsätzliches. Was ich verstehen kann ist: Gott ist der Menschenopfer leid. Er möchte keinen Papst mehr durch ihn überfordernde Pflichten sterben sehen. Er verkündet ein Ende der Menschenopfer.
Nachdem der Papst auch ein lebendes Vorbild der Katholiken ist, wäre die Botschaft: Hört auf Menschen zu opfern. Opfert Euch nicht selbst. Belasst es bei dem einzigen Menschenopfer Jesus.
Das wäre eine radikale Botschaft.

Viele Katholiken weltweit hoffen, dass diese Botschaft bleibt wenn der Papst geht. Wurde doch einer Abkehr vom Menschenopfer bislang von einem Benedikt XVI oder Kardinal Ratzinger aktiv entgegengearbeitet.

Rente: Ja – Nein – oder Vielleicht

Posted in Uncategorized on 27. September 2012 by Nikkolo Feuermacher

„Entweder länger arbeiten oder weniger Rente“
so oder ähnlich lauten Nachrichten-Überschriften im Herbst 2012.
Warum?

Seit den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts ist klar: Der Fortschritt bei der Produktivität von Maschinen und Produktionsanlagen mündet in die (für arbeitende Menschen entscheidende) Frage: Was passiert mit der menschlichen Arbeitszeit die eingespart wird und nicht weiter benötigt?
In den 80er Jahren wurden zwei Möglichkeiten dafür genannt:
1. Arbeitszeitreduzierung für alle
2. Freisetzung einzelner Personen von der Arbeit. Die Freigesetzten existieren neben den Arbeitenden ohne selbst arbeiten zu können.

Die Frage nach Arbeitsteilung hat sich in den letzten 30 Jahren nicht verändert. Um Zinsen und Renditen zu maximieren ging die Entwicklung nicht in Richtung einer Reduzierung der allgemeinen Arbeitszeit.
Die herbei geschriebene aktuelle Diskussion über Arbeitszeit und Rente ist nur eine Facette davon.
Sind die seit 30 Jahren offen gelegten Fakten noch nicht in die Gehirne von PolitikerINNEn beziehungsweise ihrer BeraterINNEN vorgedrungen?
Fragen wie: „Kann jedeR länger arbeiten wenn er/sie möchte?“ ebenso wie die Frage „Kann jedeR produktiv arbeiten wenn er/sie das möchte?“ werden 2012 noch nicht einmal mehr grundsätzlich gestellt.

Wieso also das Thema im Herbst 2012?
Vielleicht liegt es daran, dass in Ländern wie Griechenland gerade soziale Errungenschaften wie Rente, Mindestlohn, Bibliotheken für öffentliche Universitäten usw. gestrichen oder gekürzt werden und die Bevölkerung weiterhin die gleichen Parteien wählt? Das ist ein deutliches politisches Signal.
Vielleicht ist der Kern der Zeitungsmeldungen die Aussage: „Wir werden alle dafür sorgen, dass es der Mehrheit der Bevölkerung noch schlechter geht, bereiteten Sie sich schon einmal darauf vor. Angeboten wird die Wahl zwischen mehr Arbeit für das gleiche Geld oder weniger Geld für die gleiche Arbeit, also: Auf jeden Fall weniger Geld.“

Wer hat eigentlich im Moment das Geld, das sich in den letzten 30 Jahren nicht reduziert hat? Die Produktivität, ebenso wie der Geldumlauf haben im Gegensatz zur Arbeitszeit zugenommen. Wieso wird das Mehr an Geld eigentlich nicht verteilt? Beziehungsweise: Warum bekommen die Rentner weniger von dem Geld, dass im Umlauf ist?

Wollen die Zeitungen Ihren LeserINNEn einfach mitteilen: So oder So bekommt Ihr nichts ab! – ?

Social Networks – free and controled

Posted in English, Miettext on 15. April 2011 by Nikkolo Feuermacher

When people talk or write about social networks or personal profiles in the internet, the blackest corner of its dark side is the ‚collection of personal data‘. Such collections are sought after, they are tools for structural power and worth a lot of money. But the centralized collection of personal data is not something that the users of social networks have to accept without choice. Centralisation of data is – an intended – by-product of monopol- and capitalistic structures. Who likes to lead or control ‚the market‘, who wants to be the ‚only‘, ‚most important‘, ‚best‘, ‚biggest‘, who want’s to make a fast lot of money with one idea … can only choose a path leading to structural power. This is the living perspective of net providers – not the users perspective. Most users don’t care if their data are collected together with the data of other users in one center. Generally they are not interested in the structures behind, but on the user surface.
The start of the internet created a structure: computers in different parts of the world were linked together. This opened a free space, an nearly uncontrolable flow of communication. Freedom makes dictators worry. The uneasiness that a flow creates for control freaks is one reason why some people always have to talk about child abuse, when the conversation comes to freedom of communication in the intenet. To gain control, filter systems are bought (e.g. in China1 , Qatar2, Oman2, Saudi Arabia2, Kuwait2, Yemen2, Sudan2, Tunesia2 ) and technical possibilities created to switch off parts of the internet (e.g. in Egypt3, Germany4).
Users of social networks ALSO want control, but to control with their own hands. An autonomous security that fotos, stories, data with the profile are only shared with the people you want to share with. And users don’t want to automatically loose their ownership on pictures and stories.
The fact that a ‚big brother, mum or dad‘ is always looking across one’s shoulder to take care ‚that nothing happens‘ is not very sexy for users. No matter if the brother is a network provider with the label ’now even safer!‘ on the product, or a government paid specialist carefully balanceing human rights with economic interests.
Because of the original structure of internet, being different, independent, linked computers, there has always been the possibility to communicate directly without data collection or centralisation. Now an alternative, self controled user surface has reached the ‚market‘. Diaspora5 is a social network, that four students in New York, Ilya Zhitomirskiy, Dan Grippi, Max Salzberg and Raphael Sofaerxyz, have been working on since 2008. Users/Seeds can create a typical profile, publish fotos, link with twitter and flickr, … The difference to facebook: personal data are not centralized and collected. Who wants can even join with his/her own computer to give space for communication.
No centalisaion, collection of data is limited, ownership and own control of the profile exist.
This does not intend to be an advertisement for Diaspora. I don’t want to give an reason to create more profiles in the internet. I like to give a view on structures, on freedom and control.
Collecting and centralizing data is not only an economic playground for network providers but also for search engines (like Google), but that is another story to be told.

[1From july 1st 2009 China forces private users into filtering. „Harmonie als Synonym für Zensur“, taz 26.06.2009]
[2 „West Censoring East: The Use of Western Technologies by Middle East Censors, 2010-2011“ by Helmi Noman und Jillian C. York for OpenNet Initiative April 2011 >http://opennet.net/west-censoring-east-the-use-western-technologies-middle-east-censors-2010-2011<%5D
[3„Wie Ägypten aus dem Internet verschwand“ Matthias Kremp in Spiegel online 28.01.2011 >http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik<%5D
[4 ‚Zugangserschwerung-Gesetz‘ bill proposed by Federal German Cabinet, april 22nd 2009]
[5 http://www.joindiaspora.com%5D

Social Networks zwischen Freiheit und Kontrolle

Posted in English, Miettext with tags , on 11. April 2011 by Nikkolo Feuermacher

Wenn über Social Networks oder persönliche Profile im Internet gesprochen und geschrieben wird, ist die finsterste Ecke ihrer dunklen Seite die ‚zentrale Sammlung personenbezogener Daten.‘ So eine Sammlung löst Begehrlichkeiten aus, stellt einen strukturellen Machtfaktor und einen Geldwert dar. Doch ‚zentrale Sammlung personenbezogener Daten‘ ist nicht etwas, das die Nutzerin von Social Networks zwangsläufig in Kauf nehmen muss. Datenzentralismus ist ein – von manchen Menschen erwünschtes – Nebenprodukt monopolistischer und kapitalistischer Strukturen. Wer gerne sicher stellen will, ‚den Markt‘ zu führen oder zu beherrschen, wer der ‚Einzige‘, ‚Wichtigste‘, ‚Beste‘, ‚Größte‘ sein muss, wer mit einer Idee schnell viel Geld verdienen will, … dem bleibt als kürzester Weg nur die Erzeugung struktureller Macht. So schaut die gelebte Perspektive von Netzwerkbetreibern – und nicht von Nutzern/Usern aus. Nutzer kümmert es meist wenig, dass ihre Daten zentral zusammen mit den Daten der anderer User gespeichert werden. Sie interessieren sich in der Regel nicht für die Strukturen dahinter, sondern nur für die Benutzeroberfläche. Ursprung des Internets ist die strukturellen Vorgabe, dass Computer in unterschiedlichsten Teilen der Welt miteinander vernetzt sind. Das schafft einen Freiraum, einen schier unkontrollierbaren Kommunikationsfluss. Dieser Freiheitsfaktor macht Diktaturen Sorgen. Das große Unbehagen, welches Freiräume für Kontrollfreaks bedeuten ist auch ein Grund dafür, dass manche Menschen immer über Kinderpornoringe sprechen müssen, wenn es um Kommunikationsfreiheit im Internet geht. Um Kontrolle herzustellen, werden Filtersysteme eingekauft (z.B. in China1 , Qatar2, Oman2, Saudi Arabien2, Kuwait2, Yemen2, Sudan2, Tunesien2) und es werden Möglichkeiten erarbeitet, Teile des Internets abzuschalten (z.B. in Ägypten3, Deutschland4). Wer ein Social Network benutzt, möchte AUCH gerne Kontrolle, allerdings die Kontrolle in den eigenen Händen. Eine autonome Sicherheit die Fotos, Geschichten, Daten beim Profil nur mit den Menschen zu teilen mit denen geteilt werden will. Und User möchten natürlich das Eigentum an ihren Fotos und Geschichten nicht automatisch abgeben müssen. Die Tatsache, dass ein ‚großer Bruder, Papa oder Mama‘ ständig über die Schulter schaut und ’schon dafür sorgt, dass nichts passiert‘ ist für die Benutzeroberfläche nicht gerade sexy.
Ob die großen Brüder dabei als Netzwerkbetreiber das Etikett ‚Jetzt noch sicherer!‘ an ihr Produkt kleben, oder als Fachleute mit Regierungsauftrag Rechtsgüter gegen Wirtschaftsnutzen abwägen, ist dabei beinahe egal.
Auf Grund der beschriebenen Grundstruktur des Internet als Vernetzung vieler unabhängiger Computer, existiert seit der ersten Stunde die Möglichkeit, direkt, d.h. ohne Datensammlung und Zentralismus zu kommunizieren. Eine alternative, weil selbstverantwortliche Benutzeroberfläche für Social Network Fans ist mittlerweile auch auf dem ‚Markt‘ angekommen. Diaspora5 nennt sich das Social Network, an dem vier New Yorker Studenten, Ilya Zhitomirskiy, Dan Grippi, Max Salzberg und Raphael Sofaerxyz, seit 2008 gearbeitet haben und bei dem User/Seeds das übliche Profil anlegen, Fotos veröffentlichen sowie Twitter- und Flickr-Vernetzungen nutzen können. Der Unterschied zu Facebook: Die Daten liegen nicht auf zentralen Computern. Wer immer möchte kann seinen Computer auch als Arbeitsraum, als Freiraum für Kommunikation, mit einbringen. Kein Zentralismus, dem Datensammeln sind Grenzen gesetzt, Selbstkontrolle und Eigentumsrechte der Profil-AutorINNen sind besser gewährleistet.
Dies soll kein Werbetext für Diaspora sein. Ich möchte auch kein Argument dafür liefern, noch mehr Profile im Internet anzulegen. Mir geht es um einen Blick auf Strukturen, auf Freiheit und Kontrolle. Dass zentralisiertes Datensammeln das wirtschaftliche Arbeitsfeld nicht allein von Netzwerkbetreibern, sondern auch z.B. von Suchmaschinen (Google) darstellt, ist eine andere Geschichte.

Fußnoten:
[1In China gilt ab 1.Juli 2009 verpflichtende Filtersoftware für Privat-PCs; „Harmonie als Synonym für Zensur“, taz 26.06.2009]
[2 „West Censoring East: The Use of Western Technologies by Middle East Censors, 2010-2011“ von Helmi Noman und Jillian C. York für die OpenNet Initiative April 2011 >http://opennet.net/west-censoring-east-the-use-western-technologies-middle-east-censors-2010-2011<%5D
[3„Wie Ägypten aus dem Internet verschwand“ Matthias Kremp in Spiegel online 28.01.2011 >http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik<%5D
[4 Zugangserschwerung-Gesetz Entwurf des Bundeskabinetts vom 22. April 2009]
[5 http://www.joindiaspora.com%5D

Nichts neues, aber ein Erkenntnisgewinn

Posted in Miettext, Uncategorized on 15. März 2011 by Nikkolo Feuermacher

Es war bekannt, dass in Japan regelmäßig Erdbeben stattfinden. Nichts dürfte überraschen, dass das jüngste Erdbeben außergewöhnlich stark war, denn auf ein solches Beben wird seit 50 Jahren gewartet. Keine Meldung wert sein dürfte die Information, dass Atomkraftwerk – planer, -hersteller, – betreiber und – genehmiger sich das alles anders vorgestellt hatten. Natürlich! Ursache und Wirkung.
Was Atomkraftfreunde zum Lächeln bringen dürfte ist der endlich vorhandene Erkenntnisgewinn: das statistisch belastbare Material, mit dem ab sofort gearbeitet werden kann. Was in den Laboren und Denkzentren nicht ermittelbar war, liefern die „Versuchsreihen im öffentlichen Raum“. Statistisch wissen wir jetzt, dass – laut Statistik – alle 25 Jahre ein Unfall stattfindet, der schlimmer ist als vorher vorstellbar und dass dafür keinerlei Vorkehrungen getroffen wurden.
Das heißt doch für unsere Wissenschaftler: jetzt ist die sicherste Zeit um AKWs zu betreiben. Denn die Wahrscheinlichkeit ist außergewöhnlich hoch, dass in den nächsten 20 Jahren nichts passiert. Dies liest man Heute noch nicht in den Medien, aber wir wissen: es kann sich nur um Wochen handeln, bis jemand gut bezahltes das schlagende Argument aufgreift und hinaustrompetet.
Und noch ein Erkenntnisgewinn: „Atomkraftgegener überwintern im Dunkeln und mit kaltem Hintern“ hieß es auf den frechen Aufklebern, die die Firma Siemens in Deutschland ihren Mitarbeitern nahe legte auf die Autos zu kleben. Heute wissen wir: die Atomkraftgegner überwintern nicht. Sie sitzen genau wie die Atomkraftliebhaber und all die Menschen die gar kein Verhältnis zu Atomkraft haben, in einer Welt die zunehmend strahlender wird. Für alle Lebewesen weltweit erhöht sich die radioaktive Belastung und von DER haben nun wirklich ALLE etwas – ungefragt und unbestellt. Wir sitzen auf einem gemeinsamen Globus. Letzteres ist allerdings auch nichts neues.
Erkenntnisgewinn macht Mut. Hat einen Geruch von echtem Fortschritt. Auf den wird besonders gewartet in diesem Energiefeld, wo Erkenntnisse sonst so selten sind. Weil nur gebetsmühlenartig Floskeln wiederholt werden. Fortschritt im Denken ermutigt zur Hoffnung, dass im Atomkraftbetrieb auch einmal der Müll als Thema aufscheint. Die „Thinktanks“ beten seit 50 Jahren, dass ihnen dazu dann schon irgendwann irgendwas einfallen wird – und eben das könnte ja mal passieren.
Bis dahin stimmen sowohl der gesunde Menschenverstand als auch die Wissenschaft überein: Eine Maschine, die etwas unerwünschtes und lebensbedrohliches erzeugt gehört sofort abgeschaltet.

Konsum und Demo

Posted in Miettext with tags on 23. Februar 2010 by Nikkolo Feuermacher

Printmedium ‚Wiener Wirtschaft‘ vom 2.Oktober 2009: Die Wirtschaftskammerpräsidentin äußert sich kritisch zum Demonstrationsrecht in Österreich. Wer daraus interpretiert: die Wirtschaftskammer wäre eine kriminelle Vereinigung, die die Pflichtbeiträge der UnternehmerINNEN für verfassungsfeindliche Zwecke missbraucht – irrt völlig. Vielmehr ist aus dem Beitrag im Heft ein erhöhter Beratungsbedarf abzulesen. Denn: Demonstrationen auf Hauptstrassen sind nicht zwangsläufig gleichzusetzen mit Umsatzeinbusen. Heute gibt es ausreichend Erfahrungen und Untersuchungen zum Demonstrationsverhalten von Menschen. Reine Berufsdemonstranten sind selten geworden. Heute sind Demonstranten meist Laien. Das heißt: Demonstrationen werden hauptsächlich von Teilzeitdemonstranten in ihrer Freizeit durchgeführt. Selbstverständlich kaufen sie dabei auch ein. Spontane Befragungen in Wien (2008/9) ergaben, dass einige DemonstrantINNen während der Demonstration kurz einkaufen, und einige auf der Strecke schon ihr Lieblingsgeschäft entdeckt hätten. Letzteres ist die logische Konsequenz aus der Blickrichtung bei Demonstrationen: Anders als bei Sportveranstaltungen oder Paraden auf öffentlichen Strassen, geht der Blick der Menschenmenge nicht vom Straßenrand auf die Verkehrsfläche, sondern von der Verkehrsfläche auf den Straßenrand, d.h. auf die Fassaden und Geschäfte. Für clevere und gut beratene GeschäftsinhaberINNEN ergibt sich eine bislang ungenutzte Chance: durch beherzte Dekoration die Möglichkeit neue KundINNen zu gewinnen und in Presse oder Fernsehen (ohne Anzeigenkosten) Präsenz zu zeigen. DemonstrantINNen sind keine Konsumverweigerer. Selbst die Aktivitäten zum weltweiten Buy-Nothing-Day (in Europa der letzte Samstag im November) führten seit 1992 zu keinerlei Umsatzeinbusen.
Die Plazierung des demonstationskritischen Beitrages in der ‚Wiener Wirtschaft‘ zeigt zudem, dass es hier nicht um politische Agitation handeln kann: VOR dem Beitrag zum Versammlungsrecht findet sich das ‚Pro- und Kontra zur Ausbildung als Bürohund‘ (S.23).

Ein Text im Advent

Posted in Miettext on 23. Februar 2010 by Nikkolo Feuermacher

Zwei Telefonate und ich hab‘ zugesagt: dieses Weihnachten wird eine chinesische Ethnologin mit unter dem Baum sitzen. Sie hat ganz freundlich und in perfektem Österreichisch erklärt, dass Sie ein neues Forschungsprojekt macht. Letzte Ostern war sie bei einer alleinerziehenden Mutter in Deutschland und hat darüber eine Dissertation geschrieben. Deutschland hat sie schon fertig, das ist ihr bisheriges Spezialgebiet. Aber bei der Forschung ist das auch wie sonst in der Wirtschaft: dauernd muss es etwas neues geben, sonst ist man gleich draussen. Hat sie erklärt und das versteht man ja auch gleich. ‚Bitte behandeln Sie mich einfach so, als ob ich zur Familie gehöle. Geschenke sind schon in Oldnung.‘ hat sie gesagt. Es wird auch ein kleines Video von uns auf Yuhtuhb geben – ich weiß allerdings nicht mehr wie das chinesische Yuhtuhb geschrieben wird. Wenn ihr diese Weihnachten auch dazu kommen wollt, dann seid’s ihr auch mit auf dem Video und in der Forschung. Ob ihr zur Familie gehört – das weiß DIE doch nicht. Schickt’s mir einfach ein Emale. Euer Nikkolo.

Beenden lernen

Posted in Miettext on 23. Februar 2010 by Nikkolo Feuermacher

Mein alter Vater hat mir eine Gitarre überreicht, die er lange konserviert hat: ‚Die ist sehr wertvoll, vielleicht kannst Du sie brauchen oder kennst jemanden, …‘
Heute sitze ich am Ofen und hinter einer kleinen, rußigen Scheibe sehe ich die Gitarre brennen. Eine Stunde Feuer, eine Stunde Wärme um die frisch gewaschene Kleidung meiner Tochter und von mir zu trocknen – und etwas zu räuchern. Neben dem Ofen, Holzstücke nachlegend, sitze ich und stopfe Wollsocken. Wahrscheinlich bin ich in einer falschen Zeit. Wer tut in diesem Land solche Dinge? Wo es doch kommerzielle Müllabfuhr gibt, ebay, Wäschetrockner und einen Handel der beständig greint weil so wenig neu gekauft wird?
Im Bauch der Gitarre, dort wo sonst ein Zettel mit Nummer oder der Firma des Gitarrenbauers klebt, konnte man einen kurzen Text lesen: ‚Diese Gitarre kommt von Georg Hartung. Bei einem Fliegerangriff 1944 in der Engelstraße hat ein Bombensplitter die Decke durchschlagen.‘
Die Gitarre hat also eine Geschichte: Hat da ein Junge eine neue Wandergitarre bekommen um an den Lagerfeuern der Hitlerjugend das Volksgut zu begleiten? Er hat sich sicherlich sehr gefreut und war stolz. Wahrscheinlich konnte die Gitarre gar nichts dafür, dass sie in genau dieser Zeit in Deutschland gebaut wurde: nicht als Konzertgitarre sondern als kleines leichtes Instrument um Wanderungen und Ausflüge zu begleiten. Eine Idee der Wandervogel-Bewegung? Hat vielleicht doch nichts mit dem Faschismus zu tun. Aber gibt es etwas aus der Zeit knapp vor 1944, das die Chance gehabt hätte nichts mit dem Faschismus zu tun zu haben? Da war ein Markt für Wandergitarren. Und da war die Menschenverachtung und dann war da der Krieg. Und der Junge ging brav in den Luftschutzkeller – ohne Gitarre, denn das hat man bei den Luftschutzübungen gelernt: nur ganz wenig und nur das wichtigste in den Keller mitnehmen. Zum Beispiel etwas an dem der Name der Leiche identifiziert werden konnte.
Als der Junge wieder aus dem Keller kommt, hat es in der Nähe eingeschlagen – es brennt – Menschen sind in Panik – und die Gitarre ist noch da. Aber sie hat in der Decke ein Loch. In der wunderbar glänzenden, nagelneuen Gitarrendecke. Sie klingt aber noch und lässt sich spielen, neu stimmen und spielen. Sie hat den Bombenangriff überlebt – so wie der Junge selbst – und außer einem Mal, dass diesen Angriff und diese Verletzung für immer dokumentiert, ist sie unversehrt. Jetzt könnte ich etwas über die Unsterblichkeit der Musik und deren Universalität schreiben, aber das hätte nichts mit dieser konkreten Gitarre, diesem konkreten Jungen und dieser konkreten Geschichte zu tun.
Als der Junge – der Mann – der Senior – der Rentner – sein eigenes zeitliches Ende kommen sieht – Jahrzehnte später – , soll die Gitarre ihn überleben. So wie sie den Bombenangriff überlebt hat, soll sie auch seinen Tod überdauern. Der Freund und Kollege überreicht das Saiteninstrument meinem Vater, mit dem Versprechen dieses Relikt des Bombardements zu bewahren. Als Musiker bekannt, scheint mein Vater der richtige für diesen Dienst zu sein. Allein, auch der Vater wird alt und die Reliquie lastet irgendwann auf ihm. So viele Gegenstände sind gesammelt und wer wird die dann aus der Wohnung tragen, wenn er aus der Wohnung getragen wurde? Wo kommen die alle hin? In einen Sperrmüll-Kontainer? In ein Antiquitätengeschäft? In ebay? Damit die Geschichte zur Gitarre nicht verloren geht, wird sie eingeklebt. Und damit wird aus der Gitarre etwas anderes als meine Socke, die ich gerade stopfe. Sie ist zwar auch gestopft, aber nicht mehr bloß ein Instrument. Ich – als avisierter Reliquienträger, aufgefädelt in der Reihe der Tradition – kann sie nicht mehr einfach den Kindern der nahen Grundschule schenken – zum Spielen. Weil die Geschichte zur Gitarre auf jeden Fall überleben soll, überlebt die Geschichte die Gitarre. Ich bewahre die Geschichte, die weniger Platz in meinem Leben einnimmt.
Das Holz ist fast verbrannt, ich lege noch eine Schaufel Nadeln vom Weihnachtsbaum des letzten Jahres nach. Es raucht und riecht.
Der Papiersack in dem ich mein Holz transportiere hat ein Loch. Soll ich das kleben?

cockoo-parents

Posted in English, Miettext on 19. Januar 2010 by Nikkolo Feuermacher

‚The Female Factor – In Germany a Tradion falls and Women Rise“ article in the ‚The New York Times‘ on January 18th 2010 by Katrin Bennhold provoqued this text:

As someone who still holds a German passport and who has lived in Germany for nearly 50 years, knowing mothers, fathers, children and even a little bit of school- and economic structures, I would like to put this down:
A ‚raven mother‘ might push out birds of the nest, but when I think of the children of today, I rather see ‚cockoo-parents‘ than ‚raven-mothers‘. A cockoo is a famous bird who’s female lays her eggs into other birds nests and does not care about them any more.
The problem in Germany (or anywhere in the world where you have masculine, feminine and very young human beings) is not: How to kick the young ones out of the nest. The question is: Who takes care of the young ones.
Public child-care is not good in Germany. I would not want to hand my child over to someone, who is very poorly paid, not well educated and has to take care of too many children for too many hours.
If I love my child, I want to spend time with it. If I love my work, I want to spend time with it. If I love two things (or beings) with the same intensity, I have a problem. That is not surprising.
Mrs Bennhold is a little bit behind time with her thinking. Her mind is traditionally shaped (I wonder what age she is). She still thinks that women are responsible for the children. Why that? Because the child grows in their womb? Since the fall of maternalism we know: Men have also something to do with the birth of a child. They have a certain
responsibility for children. So they should also spend time with children, love and educate them.
If women and men are considered to be equal, the question amongst parents should be: Who cares about the child and who cares about the money? Or: How is it possible to share, so that everyone is as happy as possible?
I heard that some cohabitant women in Germany, who have a well paid job, still consider their income as a kind of ‚pocket money‘ and not as the base of the family income. Most of female university graduates (this is a study in Germany which is not quoted by Mrs Bennhold) cannot imagine that their masculin partner is less graduated, less successful in his job, with lower income … than they themselves. Germans still mix up masculin sexual attractivity with power and money in the business environment.
So all they can do is: Find a partner who works a lot and to work a lot themselves. If they are happy this way, that is wonderful. No need for them to have children. They can even have sex without producing a child.
How is life for a child who doesn’t see it’s parents, because they love to work more than than to see their child?
I don’t see a problem with the fact that the birth rate of people with German passports goes down. Hitler is dead and his program to breed ‚true arians‘ as well. Shall the world be populated by those who love their kids, take care, and spend time with them.
Don’t take me wrong: I don’t criticize Mrs Bennhold that she wants to see ‚a Tradion fall and Women Rise‘. It will be interesting to see what happens when ‚Women Rise‘. Germany has a female chancellor and this is certainly good for some people in the car industry.
An important issue, that I share, is: How to have children in Germany and to be happy about it. I don’t see how the ‚Rise of Women‘ and Mrs Bennhold help me with that.