Ist ein besseres Leben erlaubt?

Einige Südamerikaner sind unglaublich anregend mit der Idee des buen vivir: das Ziel des Lebens, Ziel einer Gesellschaft wäre es: gut zu leben. Anstatt Geld, Gegenstände oder Macht zu sammeln. Gut zu leben statt zu überleben. Da können viele Menschen gut mitgehen. Fast könnte man meinen alle wären einverstanden.

Einige Menschen auf unserem Planeten leben noch nicht gut. Für die bedeutet das Ziel gut zu leben auf jeden Fall besser zu leben als sie jetzt leben.
Einige Menschen auf der Welt gehen zu Wahlen und versprechen sich mit der Abgabe ihrer Stimme dafür zu sorgen, dass es besser wird. Sie erwarten nach ihrer Wahl besser zu leben als vorher. Andere gehen nicht zur Wahl sondern rennen bewaffnet herum. Wahrscheinlich auch mit dem Ziel, dass sie irgendwann besser leben.

Jetzt sagt Viktor Orban [Regierungschef in Ungarn, 12.09.2015]: Es gibt kein Grundrecht auf ein besseres Leben.
Was will er uns sagen, mit dem, was er da laut in ein Mikrofon spricht?
Dass das ganze menschliche Streben nach einem besseren Leben illegal ist?
Dass er nicht dafür verantwortlich sein will, dass Menschen besser Leben, selbst wenn sie ihn gewählt haben?
Dass man vor einem Gericht (z.B. in Ungarn) nicht einklagen kann, dass man besser lebt als vorher?
In Ungarn leben einige Menschen viel besser als andere. Sollten diejenigen, die schlechter leben als die, die besser leben, kein Recht haben sich zu beschweren? Vielleicht ist das seine Aussage? Diejenigen, die in Ungarn besser leben, würden das sicherlich sofort unterschreiben und ihn zu dem Zwecke zu ihrem Vertreter wählen.

Aber er spricht die Worte nicht nur zu seinen WählerINNEn, sondern auch zu seinen NachbarINNEn, die ihn gar nicht gewählt haben oder wählen würden.
Was will er den NachbarINNEn sagen?
Hört auf von einem besseren Leben zu sprechen, sonst bringt ihr uns noch auf dumme Gedanken?
Schweigt mit eurem Gerde von einem besseren Leben?
Es sollte verboten sein sich dafür einzusetzen, dass man besser lebt?
Durch mein Land kommt kein Mensch, der besser Leben möchte?

Besser ist ein Wort, das zwingend einen Vergleich braucht. Menschenfreundlich ist es, sich mit sich selbst zu vergleichen: ich lebe Heute besser als Gestern. Aber das meint Herr Orban nicht. Er konkretisiert: Sie [diejenigen, die kein Recht auf ein besseres Leben haben sollen] wollen ein deutsches Leben, vielleicht ein schwedisches [statt der Lebensqualität in einem überfüllten Flüchtlingslager in Nahost]. Er setzt besser leben in Bezug zum Leben der NachbarINNEn. Die NachbarINNEn haben es besser als wir. Die gute alte Neid- und Gier-Karte wird gespielt [die hat nicht nur Herr Orban in der Tasche].

Wir tun kurz mal so als wäre ein deutsches Leben immer gleich viel besser – und vernachlässigen die Realitäten in Deutschland. In den letzten Monaten wurde auf politischer Ebene in Europa viel Aufwand betrieben: um ein griechisches Leben nicht besser werden zu lassen. Das weiss Herr Orban. Und das bedeutet: es gibt politische Möglichkeiten Leben besser oder schlechter zu machen. Wer kein Recht auf ein besseres Leben hat, hat also im Grunde kein Recht auf politische Wirksamkeit. Viele Politiker teilen diesen Wunsch: Niemand ausser mir selbst soll politisch wirksam sein! Aber wenn Menschen das Recht auf politische Wirksamkeit abgesprochen wird, wird aus einer Demokratie eine Diktatur. Und das heisst für die Mehrheit der Menschen schlechter leben. Und schlechter leben will noch nicht einmal Herr Orban, selbst wenn er dieses Ziel ganz leicht christlich unterfüttern könnte.

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