Ich bin ein Mann der Wirtschaft

Ich bin ein Mann der Wirtschaft!“ sagt der Mann, der zwei mal kurz Bundeskanzler der Republik Österreich war, lange bevor er Kanzler wurde. Er sagt das in die laufende Kamera und zeigt es stolz auf seinem Profil auf einer Internet-Video-Plattform.

Wie kann ich mir das erklären? Ein Bundeskanzler und sein Wirtschaftsminister werden dringend verdächtigt (es gilt die Unschuldsvermutung) käuflich zu sein, ihre Macht missbraucht zu haben, zu lügen, ihren Schwur der Loyalität zur Republik Österreich nicht gehalten zu haben. Diesen beiden Herren wird, nach ihrem unfreiwilligen Rückzug von der Oberfläche des politischen Geschehens, jeweils ein gut bezahlter Posten bei einer Wirtschafts-Consulting-Firma angeboten. Beide nehmen diese Posten medienwirksam an.

Es ist nicht die Qualifikation für eine leitende Position in einer Firma, wenn Mann auf den ersten Blick als illoyal, vertrauensunwürdig, käuflich und verlogen erscheint. Das sind auch keine Alleinstellungsmerkmale. Wenn es so wäre: die beiden arbeiten schon immer verdeckt für die Wirtschafts-Consulting-Firma und dieses Verdeck wurde gelüftet. Dann wären die beiden ihrer Ursprungsfirma gegenüber immer loyal und zuverlässig gewesen. Dass würde das Vertrauen der Firma und die Beförderung der beiden leicht erklären.

Wenn aber die Interessen der Ursprungsfirma den Interessen der Republik Österreich konträr entgegenstehen? Waren die beiden dann Doppelagenten? Nein, denn sie haben nur für eine Seite gearbeitet und die andere vermeintlich belogen. Waren die beiden Strohmänner? Männer der Wirtschaft, die „Kanzler“ und „Wirtschaftsminister“ gespielt haben um an Geld, Informationen und Macht zu kommen?

Das würde mir vieles erklären und Firma sowie beide Männer wären plötzlich schlau – bauernschlau. Die Republik Österreich und ihre Bevölkerung würden mir allerdings ein wenig leid tun.

Was ist eine Wirtschafts-Consulting-Firma? Ihr einfaches Geschäftsmodell besteht darin Menschen mit viel Geld Möglichkeiten zu eröffnen aus dem Geld noch mehr Geld und noch mehr Einfluss zu gewinnen. Das Modell ist so simpel, dass eine Rechenmaschine die Firma leiten könnte: wird das Geld mehr = erwünscht. Wird das Geld weniger = unerwünscht. Menschen werden bei dieser Firma nur als Schauspielerinnen und Schauspieler gebraucht: Um Menschen vorzugaukeln es ginge um etwas anderes als um Geldvermehrung, zum Beispiel um sie. Die Idee, die solchen Wirtschafts-Consulting- oder Investment-Firmen zu Grunde liegt hat auch Nachteile: sie schadet dem menschlichen Zusammenleben, sie schadet den Tieren und Pflanzen auf dem Planeten, sie macht Meere und Landschaften unbelebt. Sie tötet. Und da tun mir die Republik Österreich und ihre Bevölkerung schon wieder ein wenig leid. Aber nicht nur diese. Der ehemalige Präsident der USA und der aktuelle Präsident Frankreichs haben deutlich gezeigt, dass „ein Mann der Wirtschaft“ sein und „dem Planeten und seinen Bewohnenden gegenüber verantwortlich handelnd“ zu wirken, unvereinbar sein können.

Nachwort:

Wer glaubt Korruption wäre ein besonders österreichisches Thema, „weil der Balkan schon im Dritten Wiener Gemeindebezirk beginnt„, irrt. Ein ehemaliger Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland ist berühmt für seine Antwort auf die Frage: „Wer waren die, von denen Sie Schmiergelder angenommen haben?“ Er sagte: „Das darf ich nicht sagen, denn ich habe denen mein Ehrenwort gegeben sie geheim zu halten.“ Sein Nachfolger im Kanzleramt wechselte direkt von seinem Posten bei der Bundesrepublik Deutschland zu einem bei der Firma Gazprom.

Wer glaubt Korruption hätte etwas mit Demokratien zu tun, braucht nur mit einer Person zu sprechen, die in einer Diktatur lebt. Auch die können uns ein wenig leid tun.

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