Archiv für leider kein witz

41.000 Vorzugsstimmen

Posted in Miettext with tags , on 14. Juli 2019 by Nikkolo Feuermacher

Stolz

41.000 Vorzugsstimmen
um einen Mann gezielt ins Europaparlament zu wählen – wo er „eigentlich“ gar nicht hinwollte.

41.000 ÖsterreicherINNEN zeigen in einem transparenten, demokratischen Prozess, dass sie sich für einen Mann begeistern. Einen Mann, der wenige Tage vor der Wahl frisch nachgewiesen hat bestechlich, skrupellos und frei jeder Moral zu sein. Einen Mann, der demokratische Prozesse für sich nutzt um damit demokratische Prozesse zu verhindern (z.B. Verhinderung des Wahlrechts für EuropäerINNEN in Wien).

Einen Mann, der für sich als Vizekanzler ein „Fairnessministerium“ bastelte, fussend auf dem Prinzip „fair ist was MIR nutzt„. „Erbschaftssteuer ist unfair.“
Der Mann mit den Vorzugsstimmen wird nicht der erste österreichische Politiker im europäischen Parlament sein, der sich Oligarchen und Konzerninteressen anbietet. In Brüssel wird viel Geld umgeschlagen um europaweit Einfluss auf Gesetze und Regelungen zu nehmen. Die Nachfrage nach käuflichen Abgeordneten ist ungebrochen. Der Mann, der eigentlich nicht nach Brüssel wollte, hat sich durch sein Ibiza-Video (das sicherlich weltweit gesehen wurde) als Fachmann qualifiziert und ausgewiesen. Wohin hätte er nach seinem Rücktritt in Österreich auch gehen können? Wo würde so einer gebraucht?

Majestätsbeleidigung

Posted in Miettext with tags , on 22. Mai 2019 by Nikkolo Feuermacher

Es sind nicht Löwen beim Paarungsakt, Ameisen beim Transport von Nahrungsmitteln, oder Eingeborene beim Regentanz, die aktuell im Film zu beobachten sind, sondern Politiker beim Politik machen.
Jemand hat auf ihr Habitat eine Kamera mit Mikrofon gerichtet und sie sind tatsächlich gekommen und haben sich gezeigt. So wie sie sind, so wie man sie gerne einmal sehen möchte: ohne Verkleidung, ohne einstudierte Texte.
Die beiden Politiker im Film erklären deutlich und mit verständlichen Worten wie sie Politik machen und erfolgreich sein möchten. Und da der Film schon etwas älter ist erklärt er – im Nachhinein – wie die beiden erfolgreich geworden sind. Denn sie hatten einen riesigen Erfolg. Es wurden tatsächlich Spendengelder eingesammelt, es wurde tatsächlich ein Wahlkampf geführt, tatsächlich hat eine parteinahe Person die Mehrheit an einer österreichischen Zeitung gekauft und dort Personal gewechselt, tatsächlich sind beide in Entscheidungspositionen gewählt worden.
Nichts ist gelogen – endlich einmal – denn die Akteure wussten ja gar nicht, dass ihnen ein Publikum zuschaut. Wahrscheinlich waren sie so offen und eindeutig wie selten – vor Kamera.
Wenn nach der Ausstrahlung ihres Filmes Löwen, Ameisen oder Eingeborene sich auf das Recht auf ihr Privatleben berufen und sich ärgern würden, wäre das verständlich.
Warum einige Politiker und aufgeschreckte Personen in der Dokumentation und Ausstrahlung von praktizierter Politik „ein Attentat“, „eine strafbare Handlung“ oder schlimmeres sehen, ist dagegen schwer verständlich. Politik zu gestalten ist kein privater Geschlechtsakt, sondern etwas, das viele Menschen direkt betrifft und angeht. Menschen, die in einem demokratischen Land leben haben ein Recht darauf zu erfahren wie und warum Politiker (die an der Macht sind und auf die Interessen ihrer Landesbevölkerung eingeschworen sind) welche Entscheidungen treffen – oder nicht treffen.
Wieso wird die Bevölkerung ununterbrochen mit Videokameras im öffentlichen Raum beobachtet, warum werden ihre E-Mails und Telefonate systematisch gespeichert, wenn diejenigen, die das politisch durchsetzen selbst nie gefilmt und beobachtet werden dürften?
Wenn der aktuelle Dokumentarfilm nicht gedreht worden wäre, wüssten wir weniger – und das wäre undemokratisch. Investigativer Journalismus ist wichtiger Teil der Demokratie: Menschen hinter die Kulissen blicken zu lassen, zu zeigen was dahinter steckt. Und gut gemacht ist dieser Dokumentarfilm – er hat kaum Längen.
Das einzige Verbrechen, das den Filmern vorgeworfen werden könnte wäre „Majestätsbeleidigung„. Aber so ein Delikt gibt es in einer Demokratie nicht. Diejenigen, die von der Politik ihrer Partei und ihren Hintergründen ablenken möchten brauchen ein Verbrechen, das grösser ist als das Verbrechen bei dem die Politiker gefilmt wurden.
Leider zu spät (- oder zu früh -) : Wir leben in einer Demokratie und die Macht geht von den Bürgern aus. Eine Majestät, die beleidigt werden könnte, gibt es nicht.

Bonnieren

Posted in Miettext with tags , , , on 16. November 2018 by Nikkolo Feuermacher
bonnierender junger Mensch

Tut mir wirklich leid aber ich kanns nicht bonnieren.

„Oops, das kann ich nicht bonnieren. Sorry!“
ist genau der Satz, der auf den Punkt bringt wo bei uns die Grenze läuft.

Einen Platz in der Stadt besetzen, nachts aufbleiben, im Freien übernachten und viel reden – lässt sich gerade noch bonnieren – so lange alle brav nach Hause gehen wenn der Bürgermeister sagt: „Ab ins Bett Kinder.  – Ihr wisst ja: unsere Polizei kann auch anders – habt ihr doch im Fernsehn schon gesehen wie das aussieht.

Neue Ideen haben, Sachen anders machen – lässt sich bonnieren – so lange Du Dir dafür einen Schreibtisch in einem Grossraumbüro mietest und Dir von der Bank erst mal Geld leihst.

Freche Reden schwingen, Fragen stellen, Worte sagen die nicht so gern gehört werden, Kritisieren – lässt sich bonnieren – so lange Du Dir das bezahlen lässt und dann wenn’s kein Geld mehr gibt beleidigt schweigst.

Der Spass hört dann auf, wenn sich das nicht mehr bonnieren lässt. Wenn in der Software die Variante nicht programmiert ist, die Du gerade machen möchtest.
Wer gut geübt ist im Computerspielen weiss: wenn sich das nicht bonnieren lässt muss ich wo anders den Weg suchen, den die Programmierer für mich vorgesehen haben. Sonst komme ich nicht auf das nächste Level oder verliere meine Credits. Das wichtigste: was ich mache, was ich will, was mich freut – wird bonniert.
Was für einen Sinn soll das alles sonst haben?

Und wer hat dieses Programm eigentlich geschrieben? – Moment das lässt sich nicht bonnieren. Sorry – ich mach Schluss mit dem Text.

Wer zahlt die Security?

Posted in Miettext with tags , on 9. September 2018 by Nikkolo Feuermacher

Alle Bildrechte bei Nikkolo Feuermacher 2018Überschätze, überforderte, undemokratische Männer als Obmänner in Vereinen und Interessensvertretungen in Österreich – wer kennt sie nicht ?
Am 8.9.18 in Wien war ein besonders grosser von ihnen am Werk: Um die ausserordentliche Mitgliederversammlung „seines“ Vereins zu verhindern, heuerte er (auf Kosten der Vereinsmitglieder) eine kleine Miliz (Security-Service) an, die die Mitglieder am Betreten des Versammlungslokals hinderte. Erst die Polizei konnte den Mann und seine bewaffneten Begleiter für kurze Zeit auf die Seite nehmen. Während der Versammlung erpresste er über die Androhung der Vernichtung des gesamten Vereins (Herbeiführung der sofortigen Insolvenz) seinen Verbleib als Obmann.

Was können wir aus dem Ereignis lernen?

1. Mitgliederadressen müssen an verschiedenen Stellen des Vereins zugänglich sein, damit Machthaber die Kommunikation zu den Mitgliedern (und unter den Mitgliedern) nicht völlig blockieren können. (Das steht im Widerspruch zu dem was häufig als Datenschutz verstanden wird.)

2. Vereinsfunktionen und Funktionen in angeschlossenen Betrieben sind unbedingt getrennt zu halten. Sie zu häufen ist extrem ungesund für ALLE Betroffenen. Weil jemand Vereinsvorstand ist DISqualifiziert ihn das als Geschäftsführer, Stiftungsrat, u.ä.. MEHR Menschen müssen Verantwortung und damit Macht übernehmen.

3. Rechtsanwälte in Österreich entwickeln (nach meiner Wahrnehmung) in der Regel juristische Untergangsszenarien, die „alternativlos“ den Mächtigen zum Vorteil gereichen. D.h. wenn die Ebene gerichtlicher Drohungen und Gegendrohungen erreicht ist, sind die meisten Karten bereits verspielt.

4. Viele Menschen können durch ihre gemeinsame körperliche Präsenz an einem Ort etwas bewirken.

Schützen und Menschen

Posted in Miettext with tags on 2. Juli 2018 by Nikkolo Feuermacher

Ein Europa das schützt“ textete dem politischen Gipfeltreffen die NLP geschulte Werbeagentur.
Ist Schützen eigentlich das, was ein Schütze macht?
Scheinbar, denn die EU-Ratspräsidentschaft von Österreich macht schon zu ihrem Beginn den Menschen in Belgien, Bayern und Budapest Mut, die gerne mehr Schützen an den Grenzen hätten. Bewaffnete Schützen, natürlich mit Schutzwesten.
Faschismus ist die Antwort auf Fragen, die man sich nicht stellen will.“ hat eine andere Werbeagentur getextet.
Die Frage, die sich in Europa heute offensichtlich niemand stellen will ist folgende: „Sind die Menschenrechte universell?“ Universell bedeutet in diesem Fall: jede Person hat sie immer und überall.
Wenn die Menschenrechte universell sind. kann ich nicht Flüchtlingen temporär ihre Menschenrechte wegnehmen bis ich sie durch ein Sieb geschüttelt habe (wie eng oder weit auch immer die Maschen dieses Siebes wären).
In deren ihrem Land gibt es ja auch keine Menschenrechte, warum sollen die dann bei uns Menschrechte haben?“ ist NICHT die Frage, die nicht gestellt wird, sondern kompletter Unsinn, der die Beschränktheit seiner Werbeagentur verdeutlicht.
Das letzte mal, als jemand Wien (die Stadt in Österreich ist gemeint) von einer sozialen in eine zentralistisch und undemokratisch geführte Gemeinschaft geführt hat, wurde diese Person nicht von den Linken, den Gewerkschaften oder den Gutmenschen gestürzt, sondern von einem Faschisten erschossen.
Wer anfängt Menschenrechte zu relativieren und darüber diskutiert wer mehr und wer weniger Lebensberechtigung hat, wird immer von rechts überholt werden (auch wenn das eigentlich nicht erlaubt ist).
Wer von rechts überholt ist nämlich überzeugt davon, dass es Menschen mit mehr und welche mit weniger Lebensberechtigung gibt, und dass der, der überholen kann die MEISTEN Rechte hat. Es ist höchste Zeit die Frage nach der Universalität der Menschenrechte mit JA zu beantworten und sich dann mit den wunderbaren Fragen zu beschäftigen, die die sich daraus ergeben. Das wäre auf jeden Fall eine Entwicklung bei der weniger Schützen weniger Menschen erschiessen – in Europa.

Wir schaffen Feudalismus

Posted in Miettext with tags , , on 20. Februar 2018 by Nikkolo Feuermacher

imperiale lebensweise wird in wien 2018 wieder gross geschrieben.

Was ist Feudalismus? Eine Gesellschaftsordnung in der Menschen nach ihrer Geburt (Wer ist der Vater? ist die alles entscheidende Frage.) eingeordnet werden: in reiche und arme, arbeitende und nicht arbeitende, Geld ausgebende und bettelnde. Sie wirkt auf den ersten Blick stabil und erprobt. Allerdings zeigt uns die Geschichte, dass Kompetenz, gute Ideen, Innovation, Kreativität, Menschlichkeit usw. nicht gut auf so einem Nährboden wachsen.
Beispiel: Auf einem Tisch liegen zwölf Kekse, am Tisch sitzen drei Personen. Im Feudalismus nimmt sich eine Person neun Kekse und sagt zu seinem Nachbarn: „Pass auf, dass Dir der andere nicht Deinen zweiten Keks wegnimmt.“ Von der einen Ungerechtigkeit wird durch eine andere abgelenkt. UND: derjenige der sich neun Kekse nimmt, bekommt deshalb (weil er das aus seinem Recht auf neun Kekse ableitet) besseren Zugang zu Schulen und Ausbildungsstellen, zahlt weniger für seinen Wohnraum, bekommt günstigere Kredite, bessere Krankenversorgung, zahlt weniger Steuern, erhält kostenlos mehr öffentlichen Raum zur Verfügung und redet bei Entscheidungen lauter mit. Wenn jemand zu ihm sagt: „Es ist ungerecht, dass Du neun Kekse bekommst und ich nur einen.“ Antwortet er im freundlichsten Fall: „Dann setze ich mich zu anderen zwei Leuten an den Tisch, die mir elf gönnen und sich jeweils um ihren halben Keks streiten.“ Leider geht das als Antwort durch.
Das ist Feudalismus. Dass wir in einer solchen Gesellschaftsform leben, damit müssen alle einverstanden sein. Und scheinbar sind sie das, denn auf demokratischem Weg wurden genau die Parteien gewählt, die es der Person mit den neun Keksen recht machen.

Wer hier einwendet: „Aber das beschriebene ist doch nicht Österreich, wir leben doch in einer Leistungsgesellschaft, wo nach Leistung bezahlt wird und nicht nach Geburt.“ sollte ein wenig nachdenken. Sicherlich ist es richtig, dass ständig Wettbewerbe stattfinden: um den ersten Platz an der Supermarktkassa, um die Pool-Position an der Ampel usw. Aber Leistung wirkt sich nicht darauf aus ob man bequem lebt oder unbequem. Zum Beispiel bekommt ein Anlageberater bei einer Bank viel Geld bezahlt – ob er nun schlecht oder gut berät spielt keine Rolle. Dagegen bekommt eine Kinderbetreuerin wenig Geld bezahlt – egal ob sie viel Engagement bringt oder weniger. Leistung spielt wirklich keine Rolle.
Wer in eine Familie geboren ist, in der viel Besitz gesammelt wurde, wird viel Geld ausgeben können, egal ob er jemals eine Leistung erbringt. Wer in eine Familie geboren wurde in der kein Besitz gesammelt werden konnte, wird nicht viel Geld ausgeben können, egal wie er/sie sich anstrengt. Da gibt es sicherlich einen kleinen Spielraum, aber der ist nur Teil des Wettbewerb-Spiels um Druck zu erzeugen und das Nachdenken zu verhindern, aber er ist nicht wirklich verändernd. Es wird allen erzählt: „Du kannst reich werden!“, „Du bist eigentlich reich, denn Du hast etwas zu verlieren (an diejenigen, die nur einen halben Keks haben)!“ Aber die Leistungsgeschichte ist nachweislich eine Lüge (siehe Literaturliste* unten).
Beispiel: Wenn ich arbeite wird mein Verdienst mit 50% besteuert, wenn ich Handel treibe mit 20%, wenn ich Geld erbe mit 0%. Einnahmen aus Besitz wachsen in den letzten Jahrzehnten wieder schneller als Einnahmen aus Arbeit.*
Die österreichische Gesellschaft hat als Verabredung: dass sich die Menschen im Land über das Wählen von Parteien darüber einigen wie in der Gesellschaft Gerechtigkeit hergestellt wird. So schaffen es so viele Menschen gemeinsam an einem Ort zu leben, friedlich, vertrauensvoll und freundlich miteinander umzugehen.

Wie ist die Stimmung in einer Dreier-Gruppe in der eineR neun, eineR zwei und eineR einen Keks bekommt? Unfreundlich, unsolidarisch und zunehmend aggressiv. Eine Gesellschaft ist dann friedlich, wenn IN ihr Frieden herrscht und nicht dann wenn viel Polizei patroulliert, überall Kameras hängen und die Gefängnisse voll sind.
Ein Land wie die USA (aus mir unerklärlichen Gründen oft als Beispiel für ein gutes Land genannt, weshalb ich es hier überhaupt erwähne) hat Standards in der Keksverteilung, dem Umgang mit Menschenrechten, der Krankenversorgung, dem Bildungs- und Rechtssystem, dass es lange im Anwärterstatus warten müsste ehe ernsthaft darüber gesprochen würde ob es in die Europäische Union aufgenommen werden könnte. So niedrig sind die Standards dort. Wer Österreich mit den USA vergleicht, will auf jeden Fall die Standards in Österreich senken und die Kekse noch ungerechter verteilen.

Wer 2017 die Wahlplakate in Österreich gelesen hat wusste: es geh um die effektive Zunahme der Ungerechtigkeit in der Keksverteilung „jetzt oder nie“ und ein klares JA zum Feudalismus „Erbschaftssteuer ist unfair“.
Wenn es in Österreich feudaler wird: also wenige Menschen immer reicher werden ohne etwas dafür tun zu müssen – und viele Menschen immer ärmer ohne etwas dagegen tun zu können, dann wird es auch aggressiver. Die Gewalt wird zunehmen, die Aggression sich vergrössern (Hassprediger helfen dabei), mehr Menschen werden verletzt werden. Und die Gefahr verletzt zu werden nimmt für ALLE Menschen in der Gesellschaft zu. Aus dieser Gefahr kann man sich nicht freikaufen.

Feudaler Lebensstil oder Imperial Living sind für ALLE dumm und gefährlich. Also: bitte sofort ändern.

*Literaturliste (zum üÜberprüfen der Aussagen):

  • Handbuch Reichtum, Nikolaus Dimmel, Julia Hofmann, Martin Schenk, Martin Schürz (Hrsg.), Innsbruck 2017
  • Das Kapital im 21. Jahrhundert, Thomas Piketty, München 2014
  • Wie Reiche denken und lenken, Ueli Mäder, Ganga Jey Aratnam, Sarah Schillinger, Zürich 2010
  • Wir Erben, Julia Friedrichs, Berlin 2015

Diese Bücher gibt es kostengünstig auszuleihen in öffentlichen Bibliotheken.

Freunde der Radioaktivität

Posted in Miettext with tags on 16. November 2015 by Nikkolo Feuermacher

15. November 2015, 11:00 Uhr im Wiener Konzerthaus. Der österreichische Bundespräsident hat das diplomatische Corps, Freunde und Bekannte eingeladen um der UNO zu gedenken [2]. Jener Organisation Vereinte Nationen, die seit Mitte des letzten Jahrhunderts Kriege verhindern soll. Es ist der Jahrestag des österreichischen UN-Beitritts von 1955. Gleich zu Beginn der Rede eine Schweigeminute für die jüngsten Opfer der Selbstmordanschläge in Paris vor wenigen Tagen. Das mit dem Kriege verhindern scheint immer noch nicht optimal zu funktionieren. Staatsakt am Sonntag Vormittag vor Konzert und Sonntagsbraten – ganz wienerisch. Zufällig hat der Dirigent auch noch Geburtstag und bekommt einen Blumenstrauss. Es ist gut geheizt. Musiziert wird im schwarzen Anzug.
Ban Ki-moon, Generalsekretär der UN, ist leider verhindert – und jetzt wirds interessant – ihn vertritt Yukiya Amano, Generaldirektor der Welt-Werbeagentur für Atomanlagen (IAEA, aktueller Werbespruch: Atoms for Peace and Development). Ein Mann, der die weltweite Verbreitung von Atomanlagen mit der Verbreitung von Frieden gleichsetzt. Er ist seit 2009 auf dem Posten (zwei Jahre VOR Fukushima) und sieht immer noch zu wie sich die Radioaktivität von dort aus weiter verbreitet [1].
Wir sind nicht auf einem Seniorentreffen, wo sich die alten Freunde mal wieder auf die Schultern klopfen und zurückblicken, sondern bei einem Staatsakt. Und was heisst das für die UN? Für die Verbreitung des Friedens?
Ohne die Zivilgesellschaft läuft NICHTS und die Zeit verrinnt!
Gespielt wird dann übrigens die neunte von Mahler.

Anmerkungen:
[1] Kanada und USA rechnen mit einer Zunahme der radioaktiven Belastung ihrer pazifischen Küsten bis mindestens 2016.
[2] Zahlende Gäste waren auch zugelassen.