Archiv für Demo.

Bonnieren

Posted in Miettext with tags , , , on 16. November 2018 by Nikkolo Feuermacher
bonnierender junger Mensch

Tut mir wirklich leid aber ich kanns nicht bonnieren.

„Oops, das kann ich nicht bonnieren. Sorry!“
ist genau der Satz, der auf den Punkt bringt wo bei uns die Grenze läuft.

Einen Platz in der Stadt besetzen, nachts aufbleiben, im Freien übernachten und viel reden – lässt sich gerade noch bonnieren – so lange alle brav nach Hause gehen wenn der Bürgermeister sagt: „Ab ins Bett Kinder.  – Ihr wisst ja: unsere Polizei kann auch anders – habt ihr doch im Fernsehn schon gesehen wie das aussieht.

Neue Ideen haben, Sachen anders machen – lässt sich bonnieren – so lange Du Dir dafür einen Schreibtisch in einem Grossraumbüro mietest und Dir von der Bank erst mal Geld leihst.

Freche Reden schwingen, Fragen stellen, Worte sagen die nicht so gern gehört werden, Kritisieren – lässt sich bonnieren – so lange Du Dir das bezahlen lässt und dann wenn’s kein Geld mehr gibt beleidigt schweigst.

Der Spass hört dann auf, wenn sich das nicht mehr bonnieren lässt. Wenn in der Software die Variante nicht programmiert ist, die Du gerade machen möchtest.
Wer gut geübt ist im Computerspielen weiss: wenn sich das nicht bonnieren lässt muss ich wo anders den Weg suchen, den die Programmierer für mich vorgesehen haben. Sonst komme ich nicht auf das nächste Level oder verliere meine Credits. Das wichtigste: was ich mache, was ich will, was mich freut – wird bonniert.
Was für einen Sinn soll das alles sonst haben?

Und wer hat dieses Programm eigentlich geschrieben? – Moment das lässt sich nicht bonnieren. Sorry – ich mach Schluss mit dem Text.

Wer zahlt die Security?

Posted in Miettext with tags , on 9. September 2018 by Nikkolo Feuermacher

Alle Bildrechte bei Nikkolo Feuermacher 2018Überschätze, überforderte, undemokratische Männer als Obmänner in Vereinen und Interessensvertretungen in Österreich – wer kennt sie nicht ?
Am 8.9.18 in Wien war ein besonders grosser von ihnen am Werk: Um die ausserordentliche Mitgliederversammlung „seines“ Vereins zu verhindern, heuerte er (auf Kosten der Vereinsmitglieder) eine kleine Miliz (Security-Service) an, die die Mitglieder am Betreten des Versammlungslokals hinderte. Erst die Polizei konnte den Mann und seine bewaffneten Begleiter für kurze Zeit auf die Seite nehmen. Während der Versammlung erpresste er über die Androhung der Vernichtung des gesamten Vereins (Herbeiführung der sofortigen Insolvenz) seinen Verbleib als Obmann.

Was können wir aus dem Ereignis lernen?

1. Mitgliederadressen müssen an verschiedenen Stellen des Vereins zugänglich sein, damit Machthaber die Kommunikation zu den Mitgliedern (und unter den Mitgliedern) nicht völlig blockieren können. (Das steht im Widerspruch zu dem was häufig als Datenschutz verstanden wird.)

2. Vereinsfunktionen und Funktionen in angeschlossenen Betrieben sind unbedingt getrennt zu halten. Sie zu häufen ist extrem ungesund für ALLE Betroffenen. Weil jemand Vereinsvorstand ist DISqualifiziert ihn das als Geschäftsführer, Stiftungsrat, u.ä.. MEHR Menschen müssen Verantwortung und damit Macht übernehmen.

3. Rechtsanwälte in Österreich entwickeln (nach meiner Wahrnehmung) in der Regel juristische Untergangsszenarien, die „alternativlos“ den Mächtigen zum Vorteil gereichen. D.h. wenn die Ebene gerichtlicher Drohungen und Gegendrohungen erreicht ist, sind die meisten Karten bereits verspielt.

4. Viele Menschen können durch ihre gemeinsame körperliche Präsenz an einem Ort etwas bewirken.

Grillmaster gegen Rechts

Posted in Miettext with tags , on 5. März 2018 by Nikkolo Feuermacher

Grillmaster gegen Rechts, alle Bildrechte bei Nikkolo Feuermacher 2018Protokoll der Gründungsversammlung der „Grillmaster gegen Rechts“ am 7. März 2018

Peter*, Paul, Steffl und der Bert sitzen im Nebenzimmer eines Kaffeehauses am Stubenring.

Peter: Jetzt samer schon a viertel Stund über der Zeit, pack mers an.
Paul: Cum Tempore. Die Akademiker ham ihr Chancen ghabt.
Steffl: Da Ernstl und da Sigi komman af jeden Foi no. Moment – da Sigi schreibt mir grad afs Telefon, dass sei Oide ihn noch länger braucht. Mir solln ihm halt ausrichten was woa. Er warad af jeden Foi dabei – schreibter.
Peter: Ihr habts doch bestimmt alle scho von die Omas gegen Rechts ghört. I habs euch eh im meim Mailing gschriebn: Mia Opas miasaten a was geng Rechts tuan.
Paul: Moment, moment mit denen Opa – ich hob goa kane Kinda, da kanni oiso ka Opa …
Peter: Di Omas gegen Rechts ham ganz gloa a net ole zwingand Kinda oda Enkl vo da eigenen Genbrut, des warat ois wemma des Mutterkraiz vorleng miasat, …
Bertl: Es is nix verkehrts dron, wemma Kinda hot.
Peter: Natirli. Oba Hauptsach: Mia engagiern uns politisch. Di Omas hamscho ongfangan, …
Bertl: Ma muas ned ois doa was d’Oma duat …
Peter: Lass mi redn Oida!
Paul: Mia miassadn a Politisches Engagement zeign – in Zeiten wie diesen. Es san Lait am Pouvoir, die mi an di Zeit vo meine Opa derinnern. Des fallt uns aufn Schedl. Mir sand hait do um a Initiative geng Rechts zu starten. No samma klein an Zoi, oba mia wern täglich mehr Besorgte, Belogne, Betrogne.
Bertl: Politisch passt. Oba hammia uns verstandn das des geng Rechts sai muas? Du redsd grad vo deim Opa – da meinige hat mer derzöhlt: ba der Hitlerjugend woas ned so verkehrt – di Lagerfaier warn urlaiwand.
Peter: Bert, hoit de Bapn oda schlaich di.
Bert schweigt.
Paul: Di unserige Initiative soi so fui Lait zamabringan wias na geht. Wann des a boa mea san wia bade Omas warads ned vakehrt.
Steffl: Da Ernstl schreibt ma, dasser vo seina Frau a rote Haubm gstrickt kriagt hod un liaba mit ihra zammen af di Demos gäht. Sei Frau hat eam gsagt: wanna si hoibwegs gut rasiert, fallta unta de Omas eh ned auf. Den sengma nimma.
Paul: Menna hoids zamman – mia gründen edzd di UNSERIGE Initiative. Hoid ohne eam. Mia sand immano fimpfe – midm Sigi. I schlog vua: Opas …
Bertl: I hau mi übad Stieng.
Peter: Schlog wos bessas vua.
Bertl: Autofahrer – vo miaus gegen Rechts. Da fühln se viele ogsprochn und na machens mid.
Paul: Autofahrer is ma zu Wischiwaschi.
Steffl: Da Sigi sogt Heimwerker gegen Rechts warad urlaiwand. Des gspiert se richtig on, da sand urvüle angsprochen und dabei. Und mia zeign ganz kloa: Heimwerker sand kane Dodeln, oba urpraktisch, engagiert, politisch, a Bewegung.
Peter: I sogat Grillmaster gegen Rechts?
Bertl: Da warad I glai dabei, des erinnat mi an Faia und es is urgmiatli.
Steffl: I muas üba de Foida, af mi woad nu wer. Grillmaster gegen Rechts passd – is edza suppa Arbeitstitel.
Paul: Urguad kannimia des vorstön: olle Grillmaster gegen Rechts mitam erhobenen roten Grillhandschuh af der Demo. Des haut uns fire. Da bleibt de Omas di Bapn offn.
Peter: Guat, i schreib denen Omas schonamoi, dass mera was machn. Ned dasd glaubn mir Opas waradn senil.
Bertl: Opas gegen Rechts warad blos a Kopie gwesn – a grindige – da hättemi scheniert. Grillmaster gegen Rechts hot wos aigenes, i sehmia scho voam geistigen Auge den unsrigen Block formiern af der Demo.
Peter: I schreib nu des Protokoi und schicks aich zuawe.
Paul: Mir is a Grafiker bekannt, der weat uns wos mochn.
Steffl ist schon gegangen.
Bertl: Habe die Ehre.

*Alle Namen geändert, Übereinstimmungen mit lebenden Personen sind rein zufällig.

Heimwerker gegen Rechts, alle Bildrechte bei Nikkolo Feuermacher 2018Autofahrer gegen Rechts, alle Bildrechte bei Nikkolo Feuermacher 2018

Eine neue Qualität

Posted in Miettext with tags on 14. November 2015 by Nikkolo Feuermacher

radios_hWas am 9. November 2015 vor dem Radiokulturhaus in Wien erlebt werden konnte war eine neue Qualität auf verschiedenen Feldern:
Stell Dir eine Demo vor, bei der Du nicht nur auf dem Beton herumstehst, sondern tanzt.
Stell Dir eine Demo vor, bei die Leute am Mikrofon Schmäh führen und Dich nicht für ahnlungslose Passanten nehmen, denen die Welt erklärt werden muss.
Stell Dir eine Demo vor, bei der Du Dein Radio aufgedreht hast.
Eine neue Qualität.
Dass sich Menschen gegen die Zerstörung ihres liebsten Mediums einsetzen ist schon mal passiert. Dass öffentliche Radiosender zum liebsten Medium gehören ist eine neue Qualität.
Dass die bestellten Vertretern der Öffentlichkeit einen öffentlichen Sender zerstören wollen ist neu. (Was vielleicht daran liegt, dass die Vertreter nicht von der Öffentlichkeit gewählt werden sondern über Seilschaften? Da wäre eine neue Qualität nötig.)
Die Tageszeitungen in diesem Land wollen in erster und zweiter Linie Geschäftsbeziehungen anbahnen und irgendwie Umsatz generieren. Dass es einen Radiosender gibt, der das nicht tut, nehme ich als neue Qualität wahr. (Dass diese Qualität bezahlten Politikern so schmerzt, dass sie damit Schluss machen wollen und auf eine kontrollierte Gleichschaltung zielen, zeigt leider keine neue Qualität in der Politik.)
Dass die Standard-Begründung „das und das muss passieren um Geld zu sparen, wir haben keine Alternative“ in vorliegenden Fall von Ökonomen als völlig hirnrissig entlarvt wird, ist eine neue Qualität.
Demokratie ist nicht eine Verwaltungsform für die Bevölkerung – wie in der Schule gelehrt wird – sondern ein soziales Kunstwerk. Es ist DIE Lebensform, die das friedliche Zusammenleben ALLER Menschen in einem Land ermöglicht. Eine Demokratie braucht demokratische, die Demokratie liebende Medien. Wer freie Medien zerstört, zerstört die Demokratie. Das kann in Russland, Ungarn, Saudi-Arabien und vielen anderen Ländern gut beobachtet werden. Eine neue Qualität nach 1945 ist, dass österreichische Politiker die Demokratie nachhaltig schädigen wollen.
Demonstrationen sind wichtig für eine Demokratie. Die Demo am 9. November hatte eine neue Qualität in der Unterhaltung. (Was an den vielen kreativen Demonstrierenden lag?).
Weitere solcher Demonstrationen sind der Demokratie extrem förderlich. Kommt nächstes mal selbst und probiert es aus: Es kann fetzig sein Demokratie weiter zu bringen. Eine neue Qualität.
Aus diesem Anlass gibt es auf Nikkolo.Feuermacher.Wien ab jetzt eine neue Qualität: das Schlagwort [tag]: Demo.

Konsum und Demo

Posted in Miettext with tags on 23. Februar 2010 by Nikkolo Feuermacher

Printmedium ‚Wiener Wirtschaft‘ vom 2.Oktober 2009: Die Wirtschaftskammerpräsidentin äußert sich kritisch zum Demonstrationsrecht in Österreich. Wer daraus interpretiert: die Wirtschaftskammer wäre eine kriminelle Vereinigung, die die Pflichtbeiträge der UnternehmerINNEN für verfassungsfeindliche Zwecke missbraucht – irrt völlig. Vielmehr ist aus dem Beitrag im Heft ein erhöhter Beratungsbedarf abzulesen. Denn: Demonstrationen auf Hauptstrassen sind nicht zwangsläufig gleichzusetzen mit Umsatzeinbusen. Heute gibt es ausreichend Erfahrungen und Untersuchungen zum Demonstrationsverhalten von Menschen. Reine Berufsdemonstranten sind selten geworden. Heute sind Demonstranten meist Laien. Das heißt: Demonstrationen werden hauptsächlich von Teilzeitdemonstranten in ihrer Freizeit durchgeführt. Selbstverständlich kaufen sie dabei auch ein. Spontane Befragungen in Wien (2008/9) ergaben, dass einige DemonstrantINNen während der Demonstration kurz einkaufen, und einige auf der Strecke schon ihr Lieblingsgeschäft entdeckt hätten. Letzteres ist die logische Konsequenz aus der Blickrichtung bei Demonstrationen: Anders als bei Sportveranstaltungen oder Paraden auf öffentlichen Strassen, geht der Blick der Menschenmenge nicht vom Straßenrand auf die Verkehrsfläche, sondern von der Verkehrsfläche auf den Straßenrand, d.h. auf die Fassaden und Geschäfte. Für clevere und gut beratene GeschäftsinhaberINNEN ergibt sich eine bislang ungenutzte Chance: durch beherzte Dekoration die Möglichkeit neue KundINNen zu gewinnen und in Presse oder Fernsehen (ohne Anzeigenkosten) Präsenz zu zeigen. DemonstrantINNen sind keine Konsumverweigerer. Selbst die Aktivitäten zum weltweiten Buy-Nothing-Day (in Europa der letzte Samstag im November) führten seit 1992 zu keinerlei Umsatzeinbusen.
Die Plazierung des demonstationskritischen Beitrages in der ‚Wiener Wirtschaft‘ zeigt zudem, dass es hier nicht um politische Agitation handeln kann: VOR dem Beitrag zum Versammlungsrecht findet sich das ‚Pro- und Kontra zur Ausbildung als Bürohund‘ (S.23).