Schulmädchen werden deportiert.

Deportation ist ein hartes Bild, das ungute Vergleiche hervorruft. Auch den Menschen, die die damalige Regierung in den späten 1930er Jahren aus Österreich deportiert hat wurde erzählt: „Ihr kommt an den Ort der für Euch passt, der für Euch bestimmt ist.

Es stimmt natürlich, dass die drei Mädchen Mina, Muna und Mona (Namen von der Redaktion geändert) vom 28. Jänner 2021 nicht physisch getötet wurden. Aber Deportation bedeutet selbstverständlich den sozialen Tod. Sie sind aus ihrem sozialen Umfeld genauso draussen als wären sie gestorben. Auch wenn die digitalen Bande, die Chatrooms, und Wisch-Plattformen eine virtuelle Weiterexistenz anbieten, brauchen Mona, Mina und Muna dafür im Land günstigen Internetzugang, funktionierende Netzwerke, Elektrogeräte, Strom, Geld und so weiter. Abgesehen davon sind die drei gründlich traumatisiert.

Der Grund für die dramatische Aktion am Donnerstag ist offensichtlich: der national gesonnenen Regierung unter der harten Hand des Kanzlers, sind die national gesonnenen Anhänger abtrünnig geworden. Auf dem Kiss-In in Wien vom 16. Jänner 2021 hatten Menschen gerufen „Heimatschutz statt Atemschutz!“ (sic!). Die drei Schülerinnen sind das Bauernopfer um diese wieder zu gewinnen.

Der aktuelle Innenminister will, wie sein Vorgänger Herr „Gesetzliche-Ein-Euro-Fünfzig-Stundenlohn-Obergrenze“, gerne als Hardliner in die Medien und schlägt dazu auf Wehrlose ein.

Bleibt die Frage:

Warum hat der Innenminister keine jungen Burschen oder junge Männer zum Abschieben gefunden? Sind es denn nur Schulmädchen, die er nicht im Land haben möchte? Sind die Burschen nicht am Ende die „gefährlicheren“ – wenn man der Logik des Innenministeriums folgt?

Der Grund warum Mädchen aus der Schule geholt und deportiert werden liegt auf der Hand: das gleiche würden patriarchale, traditionelle, rückwärtsgewandte Migranten nämlich auch gerne tun: Mädchen von der Schule fernhalten. Wenn junge Männer gequält werden löst das sehr wahrscheinlich Identifikation und Solidarität anderer junger Männer aus. Denkbar wären Gewaltausbrüche, wie sie in Frankreich üblich geworden sind: brennende Autos, Strassenschlachten, Steinwürfe auf PolizeibeamtInnen. Aggression wäre dazu im Jänner 2021 ausreichend vorhanden.

Wer aber Mädchen aus der Schule holt kann sich sicher sein, dass niemand aus Solidarität mit ihnen gewalttätig wird. Auch hier waren Kanzler und Innenminister gut beraten.

Mina, Muna und Mona sind in Österreich nicht wahlberechtigt und wären es wohl auch in den nächsten Jahren nicht geworden, wenn man sie nicht deportiert hätte. Fragt sich: Was die Wahlberechtigten in Österreich von dieser Geschichte halten und ob sie überhaupt so etwas wie ein Gedächtnis haben?

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