Ende des Menschenopfers

Rosenmontag 2013 gehen die Maskierten mit der Frage um: „Warum tritt der Papst zurück?“ Logischerweise kommen dabei Katholiken auf andere Mutmassungen als Nicht-Katholiken. Letztere sind von der Entscheidung auch nicht direkt betroffen. Sie sind lediglich Zuschauer, so wie etwa Europäer dankbare Zuschauer bei der Wahl des Amerikanischen Präsidenten sind. Sicherlich ist ein Ereignis innerhalb der Katholischen Kirche für egal wen ein willkommener Anlass, um all das zu äußern, was immer wieder gerne geäußert werden möchte.
Um das Phänomen „ein Papst tritt zurück“ zu verstehen, lohnt es sich jedoch besonders die Perspektive der Betroffenen einzunehmen, denn andere Sichtweisen wirken zwar durchaus phantasievoll aber doch etwas beliebig. Zur Erinnerung für Unwissende: Der Papst ist für Katholiken der Stellvertreter Gottes auf Erden, er ist unfehlbar und verkörpert die Stimme Gottes Heute. Wenn ein Papst spricht: „Ich gehe!“ so ist dies eine Aussage Gottes. Die Botschaft kommt direkt von Oben. Ein Papst kann in diesem Zusammenhang nicht demütig, berechnend, schlau oder schwach sein. Er hat keinerlei Spielraum, wenn Gott ihn aus dem Amt schickt.
Was sagt Gott seinen Katholiken mit seiner Entscheidung: den Papst weg zu schicken?
Das könnte die berechtigte, wenn nicht gar entscheidende Frage sein.
Wieso sind so viele Päpste vor dem aktuellen Papst im Amt gestorben?
Warum mussten sie, körperlich schon schwach und gebrechlich, noch bis zum Tode ausharren und Pflichten erfüllen, die sicherlich Ihre Belastbarkeit als Menschen überschritten?
Nachdem Gott offensichtlich einen Papst wegschicken kann, wären weitere Fragen:
Warum hat er die Päpste vorher im Amt sterben lassen?
Hat Gott seine Meinung geändert?
Hat er sie grundsätzlich geändert oder nur in diesem speziellen Fall?
Auf diese Fragen kann logischerweise nur der Papst eine gültig Antwort geben.
Mir scheint dabei, dass es – wie bei vielen Äusserungen in diesem Bereich – nicht um spezifische, individuelle oder gar historische Dimensionen geht, sondern um etwas grundsätzliches. Was ich verstehen kann ist: Gott ist der Menschenopfer leid. Er möchte keinen Papst mehr durch ihn überfordernde Pflichten sterben sehen. Er verkündet ein Ende der Menschenopfer.
Nachdem der Papst auch ein lebendes Vorbild der Katholiken ist, wäre die Botschaft: Hört auf Menschen zu opfern. Opfert Euch nicht selbst. Belasst es bei dem einzigen Menschenopfer Jesus.
Das wäre eine radikale Botschaft.

Viele Katholiken weltweit hoffen, dass diese Botschaft bleibt wenn der Papst geht. Wurde doch einer Abkehr vom Menschenopfer bislang von einem Benedikt XVI oder Kardinal Ratzinger aktiv entgegengearbeitet.

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